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Konzertkritik : Steve Cradock im Comet Club

17.09.2011 17:19 Uhrvon

"Sha-la-la-la-lah"-Gesang, kräftige Instrumentierung, knallige Arrangements: Auf seiner ersten Deutschland-Tour machte Steve Cradock Halt in Kreuzberg.

Dies sei seine erste Deutschland-Tournee, sagt Steve Cradock, und er freue sich, dass so viele gekommen seien, ihn zu sehen. Der kleine Musiker aus Birmingham mit der kurz geschnittenen Mod-Frisur ist ein freundlich bescheidener Mensch. Denn allzu viele sind es dann doch nicht, die zu seinem Konzert in den ohnehin schon kleinen Comet Club gekommen sind.

Als Gitarrist der erfolgreichen Brit-Pop-Band Ocean Colour Scene, und seit 1993 auch als treuer Saitenmann von Paul Weller, ist der 42-jährige Cradock größere Auftrittsorte und weit mehr Publikum gewohnt.

Gegenüber locker lichten Zuschauerreihen steht die Band umso enger gedrängt auf der winzigen Bühne und produziert einen dichten Sound, der keinen Zweifel lässt an Steve Cradocks Liebe für den Beat und die Melodien der 60er-Jahre, sowie für die damaligen Mod-Bands.

Sehr laut und betörend, die Gitarren immer im Vordergrund.

Cradock und der blonde Fred Ansell, der optisch an einen sehr jungen Rod "The Mod" Stewart erinnert, spielen abwechselnd oder gleichzeitig elektrische und akustische Gitarren. Zwei scharf verzerrte, weinrote Gibson ES-335 lassen die Luft flirren. 12-saitige akustische Taylor oder elektrische Danelectro kingel-dengeln wunderbar. In Kombination mit mehrstimmigem Harmoniegesang wecken sie in Songs wie "The Apple" gute Erinnerungen an die besten Zeiten der englischen Searchers und der amerikanischen Byrds. Und klingt da nicht auch kurz das Thema von "Summer In The City" der Lovin' Spoonful an?

"Beware Of Falling Rocks" mischt die Hochspannungsenergie von Paul Wellers 70er-Jahre-Mod-Revivalisten The Jam mit einem witzigen Zitat aus dem Song "Itchycoo Park" der 60er-Jahre-Ur-Mods The Small Faces: "It's all too beautiful".

Ja, es ist wirklich alles sehr schön an der exquisiten Songauswahl von Cradocks beiden Solo-Alben "Kundalini Target" (2008) und "Peace City West" (2011). Der "Sha-la-la-la-lah"-Gesang, die kräftige Instrumentierung, knallige Arrangements: Gitarren, Orgel, Schlagzeug, Bass.

Das zauberhafte "This Boy"-Beatles-Motown-Gefühl der tollen Doo-Wop-Ballade "Still Trying" - mit ihrem schnell flatterndem Gitarren-Vibrato-Effekt. Das knallig funkelnde, von Peter Green geborgte "Oh Well"-Riff und der funky Groove von "Steppin Aside". Die Vorbilder sind immer präsent, Cradock leugnet seine Wurzeln nicht. Aber er kupfert nicht schamlos ab, sondern macht aus den verschiedenen Inspirationen etwas Neues und Eigenes.

Andy Crofts, der sonst der Band The Moons vorsteht, wenn er nicht bei Paul Weller die Tasteninstrumente bedient, spielt heute in der Band von Cradock, mit dem er auch etliche Songs gemeinsam geschrieben hat, einen melodiösen Gibson-EB3-Bass. Crofts hatte auch schon das kurzweilige Vorprogramm des Abends bestritten, ganz alleine mit Akustikgitarre und sehr reizvollen, deutlich an Lennon/McCartney geschulten Songs.

Auch Steve Cradock liebt die Beatles. Und so gibt es nach einer prallen Stunde als Zugabe noch eine rasante Version von "I Want To Hold Your Hand" aus dem Jahr 1963, mit deutsch gesungenem Refrain: "Komm gib mir deine Hand". Steve Cradock und seine Band hätten mehr Zuhörer verdient.

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