Konzertkritik : The Australian Pink Floyd Show im Tempodrom

The Australian Pink Floyd Show versucht seit 1988, gealterten Pink-Floyd-Fans einen möglichst werktreu kopierten Konzert-Ersatz für das lange schon nicht mehr existente Original zu liefern - doch es ist keine "Auferstehung", sondern nur eine Entzauberung.

von

Gleichmäßiges Pochen im gut besetzten Tempodrom: Tock-Tock-Tock-Tock, ein übermäßig verstärkter Herzschlag, visualisiert von einer zuckenden Linie auf Großbildleinwand. Licht, Laser, wabernder Sound fluten den Saal: Schlagzeug, Bass, Keyboards, Gitarren - wiederholter Akkordwechsel von E-Moll zu A-Dur. Man könnte glauben, in einem Konzert von Pink Floyd zu sein. Da ist Speak To Me/Breathe aus ihrem höchst erfolgreichen Album "The Dark Side Of The Moon" von 1973.

Doch das hier ist nicht Pink Floyd, sondern nur eine "Show". The Australian Pink Floyd Show sind eine australische Gauklermusikantentruppe, die seit 1988 in wechselnden Besetzungen versucht, gealterten Pink-Floyd-Fans einen möglichst werktreu kopierten Konzert-Ersatz zu bieten für das lange schon nicht mehr existente Original.

Hubschrauberrotoren knattern über die Köpfe, während Räderwerke und Uhren surrealistisch über die Leinwand rasen. Turmglocken schlagen, Wecker rasseln, und da ist der Song "Time", mit drei zusätzlichen Backgroundsängerinnen. Spätestens hier ließe sich feststellen, dass die wackeren australischen Nachahmer doch weit hinter dem Original zurückbleiben. Mögen die beiden Gitarristen zwar notengetreu alles ordentlich nachspielen, den individuellen Ton und Ausdruck des großen Vorbildes David Gilmour erreichen sie nicht. Auch gesanglich können sich die Stimmen der Show nicht messen mit Gilmour und Roger Waters. Und die Sängerin von "The Great Gig In The Sky" erweist sich trotz überschwenglichem Szenenapplaus als Heulboje.

Mögen die echten Pink Floyd in ihren späten Jahren, in den 80ern, überladen von pompösem Bombast, langweilig und einfallslos geworden sein, so lässt sich nicht bestreiten, dass sie mit ihrem psychedelischen Space-Sound der 60er und ihrem experimentellen Umgang mit Elektronik und Sound-Effekten in den 70ern auf der Bühne und im Studio bahnbrechend waren. Wirkliche Neuerer, mit einem ganz speziellen, eigenen Sound: hypnotisch und magisch.

Die australische Pink Floyd Show betreiben nun die Entzauberung Pink Floyds, indem sie eine Auswahl ihrer Songs von den Alben Wish You Were Here (1975), Animals (1977), The Wall (1979) und A Saucerful Of Secrets (1968) eher ausdruckslos abspulen. Mit viel Leerlauf und Hohldreherei. Wenn die Fans am Schluss auch alle zur begeisterten Ovation von den Sitzen aufstehen - von einer "Auferstehung" Pink Floyds zu sprechen wäre lächerlich.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben