Konzertvorschau : Elton John: Die Queen Mum des Pop

Der große Elton John ist nach drei Jahren Las Vegas wieder auf Tour. Seine „Red Piano Show“, mit der er Donnerstag in der O2-Arena gastiert, ist auch visuell ein Spektakel.

Jörg W,er
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Rote Brille. Elton John durfte sich bei seinem Berliner Konzert über prominente Gäste freuen. -. -Foto: ddp

Eigentlich hätte Elton Johns Zeit längst vorbei sein müssen. Nach etlichen Karrieretiefschlägen war 1997 unter anderem das Jahr, in dem John, dem Kaufrausch niemals abgeneigt, über 300 000 Pfund für Blumen ausgab (sein Kommentar: „Yes, I like flowers“) und seinen 50. Geburtstag verkleidet als Ludwig XIV. feierte. Nicht der erste Exzess des Briten, dessen Faible für schnelle Autos, luxuriöse Wohnsitze, ausgefallene Garderobe und exzentrische Brillenmodelle legendär ist.

Aber dann endete das Leben von Prinzessin Diana an einem Tunnelpfeiler in Paris. Und Elton Johns Trauerballade „Candle in the Wind“, die er bei der im Fernsehen übertragenen Beerdigung vortrug, brachte die Welt zum Weinen. Sagenhafte 37 Millionen Mal verkaufte sich die Platte mit der weißen Rose auf dem Cover. Und das Stehaufmännchen Reginald Kenneth Dwight, wie der 61-jährige Elton John eigentlich heißt, erlebte seinen ungefähr vierten Karrierefrühling.

Seine ganz wilde Zeit waren die Siebziger, als er nicht nur einen beispiellosen Triumphzug in den Hitparaden hinlegte, sondern einen Fußballverein kaufte, sich zur Bisexualität bekannte, Unsummen für Drogen und Alkohol ausgab und wie kaum ein anderer zum Sensationsobjekt der Regenbogenpresse wurde, mit der er sich erbitterte Verleumdungsprozesse lieferte. Aber Elton John hat eben nicht nur in den frühen Siebzigern mit grandiosen Alben weltweit die Charts erobert, sondern seitdem immer wieder. Auch die Musik zum Trickfilm „König der Löwen“ hat er verfasst und davon 15 Millionen Stück verkauft. Stets im Zentrum des Mainstreams und diesen gleichzeitig erweiternd, hat Elton John im Laufe der Jahrzehnte ein immenses Repertoire angehäuft, mit dessen kommerzieller Reichweite nur wenige Kollegen mithalten können. Paul McCartney vielleicht oder David Bowie, aber dann hört es schnell auf.

Auch Elton Johns letzte Platten waren locker für Platin-Auszeichnungen gut. Außerdem macht der „Piano Man“ bei allen Pop-Großereignissen mit, etwa bei Live-8, wo er ein hübsch verstolpertes Duett mit Pete Doherty zum besten gab. Und selbstverständlich ist er immer noch selbst ein Großereignis, wovon die neue „Red Piano Show“ überwältigend Zeugnis ablegt. Dafür verlässt die Queen Mum der Popmusik sogar das Edelschneckenhaus seines Las-Vegas-Engagements und setzt sich den Tour-Strapazen aus. Während Sir Elton ein bestens gelauntes Potpourri seiner Hits in die Tasten haut, illustrieren Videoclips das turbulente Leben des Paradiesvogels auf einer Riesenleinwand – unter anderem mit Justin Timberlake als jungem Elton. Ein großer Spaß.

Donnerstag, 19.30 Uhr, O2-Arena am Ostbahnhof, letzte Karten 170 €. Mehr über Pop: www.tagesspiegel.de/pop.

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