Konzertvorschau : Sophia: Neue Leidenslust

Keiner trauert so schön wie die Londoner Band Sophia – am Dienstag beim "Intro-Intim"-Abend im Admiralspalast. Wir verlosen sechs Karten.

Sebastian Leber
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Viel Gefühl. Robin Proper-Sheppard ist der Kopf von Sophia.Foto: promo

Es wird eine kleine Weltpremiere. Klein deshalb, weil die Londoner Band Sophia am Dienstag vor nur 600 Leuten auftritt, im Studio des Admiralspalasts, oben im vierten Stock. Und Weltpremiere, weil die Berliner Fans die Ersten sein werden, die Songs aus dem neuen Album zu hören bekommen. Anderthalb Jahre hat Bandchef Robin Proper-Sheppard an den Stücken gebastelt, zwischendurch viel gezweifelt, verworfen, gelitten. Das Leiden ist bei Sophia besonders wichtig, denn so klingt die Musik dieser Band nun mal: wunderschön schwermütig.

Sophia schreiben Lieder für Menschen, die gerne ab und zu traurig sind. Am liebsten über Dinge, an denen sie selbst nichts ändern können – etwa darüber, dass die Welt sich so schnell dreht und man kaum hinterher kommt. Oder dass Fremde nicht immer ehrlich sind. Und natürlich: dass Menschen sterben. Der Sänger hat selbst einige Schicksalsschläge erlebt, seine Mutter und sein bester Freund starben an Krebs. Aber die Vorliebe für Schwermut hatte er vorher schon. Im Übrigen kann Proper-Sheppard auch laut lachen und Witze reißen, in Interviews macht er das dauernd. Wie ist also das neue Album? Wenn Kritiker seine bisherigen CDs als düster bezeichnen, sagt er, müssen sie sein neues Werk wohl „pechschwarz“ nennen. Es heißt: „There are no goodbyes.“ Schöne Abschiede gibt es nicht.

Eigentlich ist Robin Proper-Sheppard Amerikaner, aufgewachsen ist er in San Diego. Aber die letzten 15 Jahre – quasi sein gesamtes Musikerleben – hat er in Europa verbracht. Die Geschichte dazu klingt ziemlich . . . genau: traurig. Als Zwanzigjähriger lernte er in den USA einen Geschäftsmann kennen, der versprach, in Europa einen Popstar aus ihm zu machen. Als Proper-Sheppard dann nach London gezogen war und loslegen wollte mit dem Stürmen von Hitparaden, entpuppte sich der angebliche Topmanager als Hochstapler. Also musste sich der Gestrandete erst mal als Straßenmusiker durchschlagen.

Inzwischen füllen Sophia Hallen. Und nicht nur Zartbesaitete hören ihnen zu. In Bars sei er schon von Schlägertypen angesprochen worden, die seine Musik schätzten, sagt Proper-Sheppard. Einer habe sich sogar eine Textzeile auf den Rücken tätowiert: „Warum müssen sich Dinge ändern, sobald sie einem am meisten bedeuten?“

Der Sänger weiß, dass er nie in großen Stadien spielen wird. Es gebe eben nur eine begrenzte Anzahl von Menschen, die „jemandem zuhören, der ständig von Tod und so singt“. Da grinst er. Manche Leute fänden es auch kitschig, dass er seiner Tochter den Vornamen „Hoffnung“ gegeben habe. Oder dass er für seine Popsongs Streicher einsetze. Egal: Am Dienstag bringt er gleich ein ganzes Streichquartett mit. Dass die CD überhaupt so schnell erscheint, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Arbeiten zu seiner letzten hatten doppelt so lange gedauert – weil Proper-Sheppard, als alle Songs fertig waren, irgendwie nicht zufrieden war und die Festplatte löschte. Diese Lieder zum Kauf zu empfehlen, wäre nicht fair gewesen, sagt er. Das wäre ja so, als ob man jemandem seine Liebe erklärt, ohne es wirklich zu meinen. Ist ihm natürlich auch schon passiert. Sebastian Leber

Beginn ist um 21 Uhr, als Vorband treten Dear Reader aus Südafrika auf. Wir verlosen in Kooperation mit dem Veranstalter „Intro“ sechs Karten: Einfach am Montag bis 12 Uhr eine Mail an verlosung@tagesspiegel.de schicken, Betreff „Sophia“.

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