Konzertvorschau : Wir wollen Bass!

Kreuzberger Mischung: Johnny Strange spielt mit seiner Band Btownbusted beim Wassermusik-Festival.

Florian Zimmer-Amrhein
Buntes Durcheinander. Johnny Strange (links) und Btownbusted verbinden Reggae, Funk und Soul.
Buntes Durcheinander. Johnny Strange (links) und Btownbusted verbinden Reggae, Funk und Soul.Foto: Promo

Im Sommer sind Kreuzbergs Straßen erfüllt von Musik. Auf dem Mehringdamm, der Bergmannstraße, der Oranienstraße, auf der Admiralsbrücke oder in einem der zahlreichen Parks tummeln sich Straßenmusiker aus aller Welt.

„Es gibt hier so viele Leute, die von der Hand im Mund leben, aber verschiedenste Musikrichtungen auf die Straße bringen. Oft kommen dabei Fusionen zustande, bei denen ganz neue Musik entsteht“, sagt der in Kreuzberg geboren und aufgewachsene John Lwanga. Besser bekannt ist er unter dem Künstlernamen Johnny Strange. Er ist Gründungsmitglied der Band Culcha Candela, die seit 2007 mit Songs wie „Hamma!“ und „Monsta“ Dauergast in den deutschen Popcharts ist.

Strange ist damit selber ein Erfolgsphänomen aus den Dunstkreisen der Kreuzberger Musikkultur. Mit zwölf Jahren bekam er über den Jugendförderverein Kreuzberger Musikalische Aktion (KMA) die Chance, bei einem Bandprojekt mitzumachen und erstmals vor einem größeren Publikum aufzutreten. Für den 1982 geborenen Strange ein regelrechtes Initiationserlebnis: „Ich wusste gleich, dass auf der Bühne stehen und Musik machen genau mein Ding ist.“ Damals spielte er noch Bass und weil Bassisten rar und heiß begehrt sind, war er damals in vielen verschiedenen Bands aktiv. Von Jazz bis HipHop lernte er so fast die komplette Bandbreite moderner Populärmusik kennen.

Die vielseitigen Interessen und Talente von Strange schlagen sich unmittelbar in seiner Musik nieder. Nicht nur der Sound von Culcha Candela ist ein höchst individueller Mix aus Dancehall, Hip-Hop und südamerikanischen Rythmen. Auch in seinem bisher nur in Szenekreisen hoch geschätzten Bandprojekt Btownbusted finden sich diverse Einflüsse wieder: allen voran Funk, Roots-Reggae und Soul.

Als Sänger versuchte sich der Sohn einer deutschen Mutter und eines ugandischen Vaters erst etwas später. „Meine Mutter hat mich immer ausgelacht, weil ich als Kind eine auffällig tiefe Stimme hatte und nicht wirklich singen konnte.“ Damalige Stars der Reggaeszene, wie der Ragga-MC Buju Banton, zeigten dem jungen Strange aber, dass man auch mit rauer Bassstimme eindrücklich singen und rappen kann. Er begann Texte zu schreiben, legte die Bassgitarre aus und das Mikrofon in die Hand.

Johnny Strange ist als Deutscher mit afrikanischen Wurzeln ein Wanderer zwischen den Kulturen. Sein Künstlername soll dies zum Ausdruck bringen. Strange bedeutet hier nicht etwa „sonderbar“, sondern „fremd“. „In Deutschland werde ich als Schwarzer, in Uganda als Weißer gesehen. Egal, wo ich mich aufhalte, ich bin immer ein Stranger“, sagt er. Das empfindet er Musiker aber nicht als Nachteil. Er fühle sich in beiden Kulturen heimisch. Seine Herkunft ist ihm ein kreativer Motor – auch sprachlich. Er singt auf Deutsch sowie auf Patois, ein in Afrika und im karibischen Raum weit verbreiteter, englisch-kreolischer Slang. Auch Berlinerisch ist natürlich in seinem Sprachrepertoire vertreten.

Nachdem Strange mit Culcha Candela in kürzester Zeit große Erfolge feiern konnte, will er nun auch mit Btownbusted durchstarten. Die neunköpfige Reggae-Funk-Combo gibt es schon einige Jahre länger als Culcha Candela. Im Gegensatz zum kommerziell erfolgreichen Zweitprojekt war Btownbusted bisher aber eine Hobbyband mit oft wechselnder Besetzung. Das soll sich ändern. Strange verspricht: „Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem wir die richtige Formation und das Potenzial haben, ein professionelles Album in Angriff zu nehmen.“ Mit ihrer neuen Sängerin Sol aus Brasilien habe die Band eine weitere kreative Kraft dazugewonnen, die mit souliger Stimme und brasilianischem Flair für frischen Wind sorgt.

Jetzt tritt die Band beim Wassermusik- Festival im Haus der Kulturen der Welt auf. Zum diesjährigen Thema „Donau, Amazonas, Nil“ hat Strange einen engen persönlichen Bezug: Der Nil entspringt in seiner zweiten Heimat Uganda. Dort unterstützt er mit seinem 2008 gegründeten Verein Afrika Rise Schul- und Brunnenbauprojekte.

Haus der Kulturen der Welt, 6.8., 19 Uhr

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