Musik-Promotion : Talentierte Musiker gesucht!

Während Deutschlands Plattenfirmen wegen rückgängiger CD-Verkäufe weiter in der Krise stecken, entdecken branchenfremde Unternehmen die Musik zunehmend für sich. Dabei haben sich die Firmen vor allem der Nachwuchsförderung angenommen.

Nadine Emmerich

Berlin Die Musik spielt nicht mehr allein in der Musikbranche. Das Motiv: Konzerne wollen ihre Zielgruppe besser erreichen und nebenbei wohl auch ein wenig Imagepflege betreiben. Die Musikindustrie freut das Engagement. Für sie tut sich ein neuer Testmarkt auf, auf dem sie den eigenen Geldbeutel schonen kann. Die Liste der Unternehmen, die sich musikalisch betätigen, ist beachtlich lang - Volkswagen, Jägermeister, Coca Cola, T-Mobile, Beck's, Bitburger, Red Bull, Nokia und O2 sind dabei. Die Unternehmen reden nicht über Geld, doch Schätzungen zufolge werden dafür mehrere Millionen Euro locker gemacht. "Ein Ende ist noch nicht in Sicht", sagt der Sprecher des Bundesverbandes Musikindustrie, Daniel Sebastian Knöll. "Es wird in Zukunft noch interessante Modelle geben."

Unterstützung willkommen

Für die Musikbranche sind diese Aktivitäten der Konzerne ein willkommener Griff unter die Arme. Früher seien die mit großen Popstars erzielten Gewinne der Plattenfirmen für Newcomer genutzt worden, sagt Knöll. Doch mit dem Rückgang der Erlöse der Labels durch die Einbrüche auf dem Tonträgermarkt und das nach wie vor große Problem der illegalen Downloads stehe für die Nachwuchsförderung auch weniger Geld zur Verfügung. "Man braucht Konzerne als Mäzene mit viel Geld", sagt Knöll.

Die Aktivitäten sind vielfältig: Der Spirituosenhersteller Jägermeister veranstaltet jährlich die "Jägermeister Rock: Liga", wo Bands aus aller Welt wie bei einem Fußballturnier gegeneinander antreten. Über Sieg und Niederlage entscheidet das Publikum. Die Firma gibt den Bands eine große Bühne und sponsort die gesamte Öffentlichkeitsarbeit der Rockliga.

Die Bierbrauerei Beck's ruft zum "Beck's on Stage Festival Challenge" auf. Für den Wettbewerb müssen sich die Bands mit Songs, Video und Fotos bewerben. Eine Jury wählt die Finalisten aus. Diese müssen einen Festivalsong schreiben und ein Konzert mit mindestens 50 Fans organisieren. Fünf Bands winkt ein Auftritt bei einem großen Festival wie Rock im Park, Southside oder Hurricane.

Talente über Wettbewerbe ermitteln

Bei Bitburger können sich Bands, Solokünstler und DJs aus den Sparten Rock, Pop und Elektro für den "Bit Music Contest" bewerben. Die Jury wählt aus hunderten Bewerbern die Acts aus, die bei gemeinsamen Konzerten live gegeneinander spielen. Der Sieger wird mit einem Tourcoaching und der nötigen Bandausstattung belohnt.

Getränkeproduzent Red Bull unterhält die "Music Academy", mit der junge DJs und Produzenten gefördert werden. Der Automobilkonzern Volkswagen leistet sich bereits seit Jahren die Sound Foundation. Nach eigenen Angaben gab diese bisher mehr als 1000 Bands Starthilfe, darunter Reamonn, die Sportfreunde Stiller und die Guano Apes. Der Mobilfunkkonzern O2 präsentiert beim "O2 Music Flash" regelmäßig bekannte Bands, die ein kostenloses Spontan-Konzert geben.

Die Unternehmen agieren indes nicht allein aus kultureller Fürsorge. Der Sprecher der Bitburger-Geschäftsführung, Peter Rikowski, sagt: "Im hart umkämpften Biermarkt ist es heute notwendig, alternative Wege in der Kommunikation zu gehen." Musik sei "ein Thema, das die Bit-Zielgruppe bewegt". Auch Beck's erklärt, durch sein Musikengagement "optimal" die Zielgruppe zu erreichen. Und bei Jägermeister heißt es: "Wir schaffen in partnerschaftlicher Zusammenarbeit für Bands und die Marke eine größere Öffentlichkeit."

"Knowhow der Musikindustrie"

Angst, dass Getränke- oder Autokonzerne den Plattenfirmen die Butter vom Brot nehmen könnten, hat die Musikbranche aber nicht: Diese könnten zwar Newcomer bekannt, aber nicht zum Chartact machen, betont Knöll: "Dazu braucht man das Knowhow der Musikindustrie."

Doch auch Vorsicht ist geboten: So steht es einer Rock'n'Roll-Band unter Umständen nicht gut zu Gesicht, zu eng mit einem industriellen Sponsor verbunden zu werden. Und auch für den Sponsor birgt die Verbindung Risiken: Schließlich können Musiker auch mal schnell Negativschlagzeilen machen und ein Hotelzimmer zertrümmern.

Der SPD-Kulturpolitikerin Monika Griefahn zufolge ist das Spendenaufkommen der Unternehmen für die Musikförderung in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Konkrete Zahlen liegen aber nicht vor. Die Initiativen der Wirtschaft seien "wunderbar", aber ersetzten nicht staatliche Initiativen, sagt Griefahn. Diese müssten sich zum Beispiel auch um eine breite musikalische Ausbildung in den Schulen und eine Erhaltung der musikalischen Vielfalt kümmern. (dm/ddp)

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