Musikstadt Berlin : Den Ton getroffen

Peter Fox hat es nach ganz oben geschafft. Doch die Konkurrenz ist ihm auf den Fersen. Auf der Suche nach dem nächsten großen Ding.

Sebastian Leber
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Vorbild Peter Fox.Foto: ddp

Man kann es nie wissen. Höchstens erahnen. Als Peter Fox vorigen Sommer sein Album „Hunde, Tauben, Stadtaffen“ fertig stellte, hatte er „das leichte Gefühl, dass diese Platte ganz gut werden könnte“. Zumindest kein Totalflop. Ein paar Details änderte er noch, die Hunde und Tauben strich er aus dem Titel. „Stadtaffe“ alleine klang irgendwie griffiger, fand er. Was dann folgte: Einstieg in die deutschen Charts, ausverkaufte Konzerte, drei Echos, der Sieg beim Bundesvision Song Contest. Schließlich Platz eins der Charts. „Das Ausmaß hat mich dann doch überrascht“, sagt der Mann aus Kreuzberg heute.

Auf eine Erfolgsgeschichte wie die von Peter Fox kommen mindestens 20 Pleiten, lautet eine Faustregel in der Musikbranche. Und da diese bekanntermaßen seit Jahren in der Krise steckt, seit immer mehr CDs raubkopiert und Songs illegal aus dem Internet geladen werden, fehlt einigen Plattenfirmen der Mut, Geld in junge, unbekannte Künstler zu investieren, sie systematisch aufzubauen. Peter Fox hatte nicht das Problem, ihn kannte man schon als Sänger des Dancehall-Projekts Seeed.

1600 Berliner Unternehmen sind in der Musikbranche tätig, darunter 160 Labels, 70 Tonstudios, etliche Musikverlage, Presswerke, Konzertveranstalter. Rund 14 000 Beschäftigte hat der Berliner Senat in diesem Segment gezählt, in seinem aktuellen Standortbericht „Kulturwirtschaft in Berlin“ nennt er die Branche einen „nicht wegzudenkenden Zweig der Berliner Wirtschaft“.

Da sind zunächst die großen Institutionen: Popkomm, Echo, MTV. Natürlich auch Universal Music, eines der vier großen Majorlabels weltweit. Das Album von Peter Fox ist bei Warner in Hamburg erschienen. Der dritte Branchenriese, Sony BMG, hat sich zwar offiziell aus Berlin zurückgezogen, betreibt aber etliche Zweigfirmen in der Stadt, zum Beispiel das neue, für alternativen Rock zuständige Sublabel Columbia Berlin sowie Four Music, einst von den Fantastischen Vier gegründet. Und dann sind da die vielen kleinen und Kleinstunternehmen mit manchmal gerade fünf Mitarbeitern, die sich untereinander vernetzen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. „Tacit knowledge“ nennen das die Wissenschaftler. Personengebundenes Wissen. Davon gibt es in Berlin reichlich.

Es hat sich herumgesprochen, dass Bands hier die Infrastruktur finden, um einen Einstieg ins Musikgeschäft zu schaffen und vielleicht sogar einen Hit zu landen. Das veranlasst Bands aus Übersee zum Herziehen, selbst wenn sie in der Heimat schon erste Erfolge haben. Bands wie beispielsweise das australische Rockquartett mit dem passenden Namen Long Walk Home: Die Musiker haben ihre Wohnungen in Melbourne aufgegeben, alle Möbel bei Verwandten verstaut und sind nach Berlin geflogen. Jetzt leben sie in einer viel zu engen WG in Friedrichshain. Und hoffen, dass 2009 ihr Jahr wird.

Welche Solokünstler und Bands kommen diesen Sommer groß raus?  Wir haben acht Berliner Labelchefs um einen Tipp gebeten, wer aus ihrem Hause es schaffen kann. Hier geht es weiter.

 
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