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Neue Pop-Tipps aus Berlin : Spreelectro: Trip im Hasenbau

15.10.2012 15:21 Uhrvon
Martin Böttcher, Berliner DJ und Musikjournalist.Bild vergrößern
Martin Böttcher, Berliner DJ und Musikjournalist. - Foto: Frauke Fischer

Der DJ und Musikjournalist Martin Böttcher gibt auf Tagesspiegel.de schon länger Pop-Tipps. Für unsere Serie "Spreelectro" hat er sich inzwischen auf Berlin spezialisiert und empfiehlt Gutes aus der Hauptstadt. In dieser Folge stellt er nicht nur ein TechHouse-Album mit einer Prise Irrsinn vor, sondern auch eine verspielt-verträumte Platte des Berliner Produzenten Metope.

Metope – Black Beauty (Areal)

 Kann sich noch jemand erinnern, wie die TV-Serie um den schwarzen Hengst „Black Beauty“ zu Ende ging? Ich nicht, aber ich nehme einmal an: Tragisch! Ob Michael Schwanen alias Metope mit seinem neuen Album Black Beauty also eventuell Kindheitstraumata ab- und aufarbeitet? Auch das weiß ich nicht, könnte aber gut sein. Denn so verspielt-verträumt, manchmal sogar melancholisch habe ich den in Berlin lebenden Produzenten und Mitbegründer des Areal-Labels noch nicht erlebt. Wo es früher – zum Beispiel auf seinem sieben Jahre alten Debütalbum „Kobol“ – vor allem knarzte, da funkelt und klingelt es nun: elektronische Musik auf der Suche nach organischer Lebendigkeit.

Und genauso will er’s ja seit Ewigkeiten haben, der Herr Metope, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Nicht ganz unschuldig an dem kleinen Richtungswechsel: Gastauftritte von Sängern wie dem Katalanen Undo und dem Electro-Blues-Musiker K_Chico.

Channel X – Wonderland (Stil vor Talent)

Und noch ein Zweitalbum: Wonderland! Wonderland ist der erneute Versuch des Berliner Duos „Channel X“, sich dauerhaft in der DJ- und Produzenten-Ecke festzusetzen. Hinter Channel X stehen die DJs und Produzenten Miko und André Quasar, die offenbar denken, dass ein bisschen Irrsinn nichts schaden kann. Irrsinn im Konzept, nicht unbedingt in der Musik, denn die ist solider TechHouse, der genau so klingt, wie TechHouse eben gerade klingt: Gut gebaute Beats, viele Spielereien mit (sparsam eingesetzten) Vocals und Sounds, die Geschwindigkeit eher von der Marke „halblang“. Aber ein bisschen Irrsinn muss eben auch sein, wenn man mitten aus der Feierszene kommt, und den leihen sich Channel X von Alice im Wunderland. Die bald 150 Jahre alte Geschichte von Alice, die eine Art Trip im Hasenbau erlebt und dabei Druffis wie die Grinsekatze trifft, sehen Channel X als eine Art Blaupause oder als Plan, der die Richtung vorgibt. Maniac, Evil, Cheshire Cat etc. heißen die Tracks und auch wenn man jetzt nicht so tun muss, als sei Wonderland die beste Platte der Welt, bin ich für ein gelungenes Konzeptalbum aus der elektronischen Ecke schon mal dankbar.

Terrence Dixon – From The Far Future Vol. 2 (Tresor) 

Tresor, das parallel zur Berliner Club-Legende laufende Plattenlabel, darf ohne Zweifel „alteingesessen“ genannt werden. Im Techno ist das Fluch und Segen zugleich: Einerseits ist man bekannt und muss nicht versuchen, sich am eigenen Schopf und quasi auf Teufel komm raus aus dem immer dichter werdenden Techno-Plattenlabel-Sumpf herauszuziehen. Andererseits ist „alt“ und „eingesessen“ das Gegenteil von „hip“ und „überraschend“ und führt über kurz oder lang zur Irrelevanz – es sei denn, es tut sich was. Und irgendetwas scheint sich zu tun bei Tresor: In letzter Zeit kommen dort verstärkt Alben heraus, die dem lieblosen „Weiter so!“ den Mittelfinger zeigen. Gute Musik, gutes Cover-Design, neue Musiker, gute Konzepte und Projekte. Das neue Album von Terrence Dixon bewegt sich irgendwo im Grenzgebiet zwischen „alteingesessen“ und echte Überraschung. Dixon, der eher zur zweiten Garde der Detroiter Techno-Meister gehört, hat vor langer Zeit, ebenfalls bei Tresor, sein Album „From the Far Future“ herausgebracht. Und jetzt also die Fortsetzung davon , Vol. 2 (ja, diesmal haben wir es mit der Zwei!). Natürlich kommt die Musik nicht aus der Zukunft, nicht einmal aus einer nahen,  geschweige denn einer fernen Zukunft. Aber Dixon schafft es, mit klischeehaften Vorstellungen von „Future“ aufzuräumen, die die elektronische Musik seit Jahrzehnten plagt. Fazit:  Funky Techno, der nach Trockeneis schmeckt und den eine Aura von Durchblick und Wissen umgibt.

 

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