Neues Album : Fakeband Spinal Tap bringt CD raus

„This is Spinal Tap“ hieß 1984 die fingierte Dokumentation über eine britische Rockband, die von einem Kamerateam auf einer USA-Tournee begleitet worden war. Nun erscheint sogar eine CD der Fakeband.

Kai Müller

Man sah die langhaarigen Stars sich auf dem Weg zur Bühne im Gewirr der Backstage-Gänge verirren, Gurken in den Schritt stopfen und eine zusätzliche elfte Volume-Stufe in den Verstärker einbauen. Der Film war als Satire auf das Musikbusiness und auf Monsterbands wie Led Zeppelin, Sweet, Status Quo oder Twisted Sister angelegt. Schwanzgesteuerter Schweinerock ist auch ein Ausdruck für diesen Gipfel an Rock-’n’-Roll- Einfalt, der sich als omnipotentes Glamour-Theater inszenierte, auf der Bühne in gespreizten Posen erging und von nichts anderem als Sex, prallen Hintern und dicken Brüsten sang.

Obwohl Rob Rainers Kultfilm alle Klischees des Genres parodierte, war „This is Spinal Tap“ viel zu wahr, um komisch zu sein. Und dass er von der Wirklichkeit auch darin überboten werden würde, dass sich die Band, die es nie gegeben hat, zu einer Reunion entschloss, zeigt nur, wie unlustig das Absurde sein kann, wenn es in Spandexhosen steckt.

Nun erscheint mit „Back from the Dead“ sogar eine CD der Fakeband, hinter der die drei amerikanischen Comedians Christopher Guest, Michael McKean und Harry Shearer stecken. Sie schreiben die Geschichte des Zombie- Rock fort mit neu eingespielten Studioversionen ihrer 25 Jahre alten Klassiker „Tonight I’m Gonna Rock You Tonight“, „Stonehenge“ und „Big Bottom“. Die wurden längst auch von anderen Bands in den Heavy-Metal-Olymp gehoben. Was beweist, dass es gar keinen Unterschied zwischen richtigen und falschen Songs gibt, weil noch der abgeschmackteste Trash sich als hellsichtiger Kommentar auf den Zeitgeist behandeln lässt. Da das so gut funktioniert, liegt auch ein gewisser Wiederholungszwang darin. So wollen Spinal Tap immer noch all die Kostümierungen einer Vitalität demaskieren, an die heute sowieso keiner mehr glaubt. „But when the Rock & Roll nightmare comes / The devil’s gonna make me eat my drums“, knödelt es unbarmherzig.

Ist Verpackung alles? „Back From The Dead“ kommt mit aufwendigem Fold-Up-Cover daher, dem die drei Protagonisten als Barbie-Puppen entsteigen. Das sind sie: ein Kinderschreck.

Spinal Taps „Back from the Dead“ erscheint samt DVD am 19. 6. bei Soulfood.

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