Pop-Tipp : Jahcoozi, Kitsuné, Dan Le Sac vs. Scroobius Pip

Der Sound, ohne den der Berliner DJ und Musikjournalist Martin Böttcher derzeit nicht sein möchte.

Von Martin Böttcher
Martin Böttcher.
Martin Böttcher.Foto: promo

Jahcoozi – Barefoot Wanderer

So richtig viel haben Jahcoozi in ihrer fast siebenjährigen Bandgeschichte noch nicht auf den Musikmarkt losgelassen: Eine Handvoll EPs, ein paar Remixe und zwei, nein, jetzt drei Alben. „Barefoot Wanderer“ heißt das neue, und falls die drei Mitglieder von Jahcoozi während der Produktion irgendwelche Drogen konsumiert haben sollten, dann dürfte es vor allem ums Kiffen gegangen sein. Wie in Watte gebettet umschmeicheln einen die präzisen Beats und verschlafenen Soundspielereien. Und selbst die sonst so energisch auftrumpfende Sängerin Sasha Perera hat noch einmal einen Gang zurückgeschaltet. Musik aus Berlin, die sich im Niemandsland zwischen Seeed, Techno, abstraktem Electro und der englischen M.I.A. ein ruhiges Plätzchen sucht.

V. A.: Kitsuné Maison Compilation 9

Wo will sie hin, die elektronische Musik? Label-Compilations eignen sich nur schlecht, um diese Frage zu beantworten – von zwei Ausnahmen abgesehen: Das Kölner Kompakt-Plattenlabel ist – vor allem international gesehen - immer noch so wichtig, das man ihm eine gewisse Kompassfunktion nicht absprechen kann. Und Kitsuné, ein französisches Platten- (und Mode-!)label, ist wegen seines eigenwilligen, aber festen Geschmacks und wegen des nach wie vor großen Ausstoßes ein guter Wegweiser. Wo also will sie hin, die
elektronische Musik nach Auslegung der Franzosen? Sie geht weiter in Richtung weich, anschmiegsam, einschmeichelnd ... und kitschig! Electropop als Summe der 70er, 80er, 90er, dividiert durch das Beste von heute. Schön, wie sehnsüchtig hier gesungen und auf den Tasten gespielt wird!

Dan Le Sac vs. Scroobius Pip – The Logic of Chance

Das Duo, das niemals hätte zu einander finden dürfen! Scroobius Pip rappt sich extrem englisch durch die wilden und bizarren Soundgebilde, die ihm Dan Le Sac gebaut hat. Der faszinierende Gegensatz ergibt sich aus den irgendwie intellektuell verspielten Texten und den oft sehr direkten, heftigen Beats. Warum daraus am Ende Musik entsteht, die gute Laune herbeizaubert? Vielleicht hat es etwas mit „Bauch und Kopf ansprechen“ zu tun. Das groovt einfach.

Martin Böttcher ist Musikjournalist "für alles" und DJ mit Hang zum TechnoElectroHouse. Er arbeitet für Deutschlandradio Kultur, verschiedene RBB-Wellen und das Internetradio "byte.fm". Martin Böttcher hatte seine DJ-Premiere im Keller des alten Berliner "Tresor" und hat danach in Clubs wie dem "Cookies", dem "GMF" und dem "Crackers" gespielt. Derzeit ist er fast jede Woche in Tim Raues "Ma Bar" zu erleben.

Und hier gibt es mehr (Playlisten zum Beispiel):

www.myspace.com/ostwestberlin
www.myspace.com/zeittunnel
www.byte.fm/index.php?cont=moderatoren_detail&moderator=41

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben