Porträt : Loretta Stern: Prinzip Neugier

Sie probiert alles aus, von Coca Cola bis Chanson. Loretta Stern ist Schauspielerin, Moderatorin – und nun auch noch Sängerin der Band Mathilda.

Johanna Lühr
Loretta_Stern
Quereinsteigerin. Die Musik der Band Mathilda fand Loretta Stern so gut, dass sie sich kurzerhand als Sängerin bewarb - und sie...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Da kommt sie, zierlich im grauen Kapuzenpulli. Es sind noch ein paar Stunden bis zum Konzert mit ihrer Band Mathilda. Sie sei etwas nervös, sagt sie und sieht eigentlich nicht danach aus.

Loretta Stern, Jahrgang ’74, ist Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin – mit einem Ruck-Zuck-Lebenslauf: Erst die Musicalschule, Schwerpunkt Schauspiel, dann Moderatorin für Bravo-TV, es folgten Rollen für das Fernsehen (zuletzt in der Krimiserie „Unschuldig“ mit Alexandra Neldel), sie moderierte für Arte aus Cannes und in Berlin bei der Berlinale, spielt Theater (Planet Porno), spricht Hörbücher und Werbeslogans, kann auf französisch (bilinguales Gymnasium), italienisch (sie hat für ein paar Jahre in Italien gelebt), spanisch (wegen eines Surflehrer-Schwarms) und englisch parlieren. Jetzt versucht sie gerade noch ein bisschen Türkisch dazuzulernen.

Das mit den Sprachen sei ihr immer leicht gefallen, sagt sie, vielleicht liege das am Gehör, aber noch eher wohl an der Neugier. Die treibt sie dazu, alles auszuprobieren von Coca Cola bis Chanson. „Nicht alles, was Kommerz ist, ist gleich inakzeptabel“, sagt sie ganz einfach und nimmt einen Bissen von den Kartoffeln mit Quark, die sie sich trotz der Nervosität vor dem Auftritt zu essen zwingt.

Ihr Witz kommt ihr auch in der Theaterserie „Planet Porno“ zugute. Boris Becker, Alice Schwarzer, Anne Will oder Franz Josef Wagner treffen sich dort zu absurden Dialogen, die Texte sind so bizarr wie wahrhaftig – es sind alles Originalzitate aus Interviews. Am liebsten sei ihr wohl der Franz Josef Wagner. Eine super Figur.

Und wie ist sie zu Mathilda geraten? „Das war der reine Zufall“, sagt sie. In einem Laden in Mitte, wo sie wohnt, hatte sie CDs durchforstet und diese Band gefunden. Deren Musik gefiel ihr so, dass sie sich ärgerte, sie nicht selbst gemacht zu haben. Sie schrieb eine E-Mail an die Kontaktadresse auf der Homepage, bekannte sich als Fan und bot an, wenn jemals der Platz der Sängerin frei werden würde, wäre sie bereit. Er wurde.

Jetzt steht sie da und singt. Deutsche Chansons über die Dächer von Nizza und die Liebe und die perfekten Momente im Leben. Die Texte stammen von dem Gitarristen Florian Bald, der Mathilda 2003 gegründet hat. 2005 kam das erste Album „supersexy rational“ und zwei Jahre später „M wie Mord“ heraus. Jetzt ist die neue CD da, „Chansonpop“ mit 14 neuen Songs und neuer Besetzung. Die Holzbläser von einst sind gegangen, dafür ist ein neuer Pianist, ein Schlagzeuger und ein Mann für die Elektronik dazugekommen. Und Loretta Stern als Sängerin.

Wenn das Lampenfieber steigt, fühle sie sich im Inneren so, als ob sie in einem Hochgeschwindigkeitszug säße, sagt sie nach dem Auftritt. Nur nach außen hin verlangsamten sich ihre Bewegungen. Das sei immerhin kein schlechter Effekt. Da hat sie Recht.

Der nächste „Planet Porno - Die Finanzkrise“ am 26. Mai um 19.30 Uhr im Hebbel am Ufer HAU 1 , weitere Vorstellungen am 27., 28. und 30. Mai. Mathilda spielt wieder am Pfingstmontag, 1. Juni, im Haus der Sinne, Ystadter Str. 10, Prenzlauer Berg

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