Prinz Pi : Rapper sind Spießer

Früher nannte er sich Prinz Porno, heute reimt er als Prinz Pi: Eine Stadttour mit einem Straßenphilosophen.

Mikko Stübner
Prinz Pi Foto: Heerde
Tiefer gelegt. HipHopper Prinz Pi auf einem szenetypischen Fortbewegungsmittel. -Foto: Heerde

Dieser Prinz mag Möpse. Verzückt steht Friedrich Kautz am Ufer des Schlachtensees und sieht zwei Hunden beim Spielen zu. Gerne würde er einen schwarzen Mops mit auf seine Konzerte nehmen. Doch seine Freundin ist dagegen. Sie fürchtet, das ist wieder nur eine dieser fixen Ideen. Denn davon hat Prinz Pi viele:

„Ich will ’ne Rakete und sie volladen/ Mit den ganzen Vollidioten, die jetzt voll zu viel Erfolg haben/ Folgt diesen Gedankengäng’, wenn wir alle Schranken spreng’/ Siehst du mich mit Feuerzeug nachts an deiner Tanke häng’“.

Friedrich Kautz hat seine Karriere als Battle-Rapper begonnen. Dabei duellieren sich die Kontrahenten mit spontanen Reimen und versuchen, sich gegenseitig durch besonders einfallsreiche Zeilen zum Verstummen zu bringen. Inzwischen ist Prinz Pi einer der bekanntesten Untergrund-Reimer Deutschlands. Seine 15 Tonträger haben sich mehr als 100 000 Mal verkauft; er ist für die großen Rap-Festivals des Sommers gebucht.

Der Prinz flüchtet sich in die Parallelwelt Graffiti

Der Schlachtensee, das ist sein Terrain. Hier wuchs der 28-jährige Musiker als Beamtensohn in einem Reihenhaus mit Wasserblick auf. Wie die meisten Jugendlichen wollte er sich von seinem Umfeld abgrenzen – mit Graffiti. „Das hat mir schon Spaß gemacht, aber ich war nie so der illegale Typ, sondern eher derjenige, der zeitaufwändig in sein Büchlein gemalt hat.“ Ein Schulfreund gab ihm damals seinen Szene-Namen Prinz Porno und führte ihn zum Rap. Durch seine außergewöhnlichen Texte wurde er Mitte der Neunziger zu einem Protagonisten der Berliner Rap-Szene.

„Die Bühne ist mein Clubhaus, das ist die Vollversammlung/ das Mic mein Driver und ich muss es wie ein Holz behandeln/ Sie sagen Tiger Pi, er hat kein Handicap/ haltet ihn auf Handy fest, Begründer deutschen Dandy-Raps.“

Prinz Pis schwarzer Wagen gleitet über die Avus in Richtung Innenstadt. Mit Anfang 20 ist er in den berüchtigten Kreuzberger Wrangel-Kiez gezogen. „Das war noch in der Zeit, bevor lauter Umzugswagen mit schwäbischen Kennzeichen dort vorfuhren und die Gegend trendy wurde“, erinnert er sich. Während die meisten Rapper hoffen, mit Hilfe ihrer musikalischen Erfolge aus den Problembezirken heraus zu kommen, hat ihm das kreative Umfeld dort gefallen. „Ich hab’ aber nicht den Geruch des Ghettos gesucht,“ betont er.

Sein Hip-Hop definiert sich nicht über Klamotten

Neugierigen Blickes schlendert Prinz Pi über den Hof der „Roller Könige“ in der Monumentenstraße und schwärmt für eine Vespa 50, Baujahr 1969. Probeweise setzt er sich auf einige der blitzenden Maschinen – und sieht überhaupt nicht aus wie ein ein akzeptierter Untergrund-Rapper. Sein Haarschnitt, die Brille und seine Vorliebe für Polohemden verstärken diesen Eindruck. Nur die japanischen Jeans und die seltenen Basketballschuhe verraten seinen Bezug zur Straßenkultur. Zur HipHop-Szene fühlt er sich auch nur bedingt zugehörig: „Rapper sind doch ziemliche Spießer. Wenn Du nicht deren Dresscode erfüllst, wirst Du auch nicht akzeptiert.“ Aber dagegen weiß sich der Musiker zu wehren – mit Intellekt. Auch deshalb hat er das Porno im Namen vor zwei Jahren durch den griechische Buchstaben Pi ersetzt.

„Aus Dichtern und Denkern wurden Kiffer und Bänker/ guter Rap ist von mir selbst abgesehen fast undenkbar/ und meine alten Idole/ ’hab ich alle begraben/ weil ihre Mucke traurig wurde wie eine Welt ohne Farben.“

Er reimt über alte Götter

Stopp in Schöneberg, wo Prinz Pi inzwischen wohnt. In der „Petite Boulangerie“ bestellt er starken Kaffee und Croissants und erzählt von seinem Studium an der Kunsthochschule Weißensee. Im Juni gibt er seine Diplomarbeit ab, in der er ein System gegen Materialverschwendung bei elektronischen Geräten vorstellt. Nebenbei befasst sich der Rapper auch mit Grafikdesign und lässt sein Wissen wieder zurück in die HipHop-Kultur fließen: So hat er Elemente der DVD „Rap City Berlin II“ produziert, die heute erscheint.

In einem Hinterhof-Gebäude in der Langenscheidtstraße residiert Kautz eigenes Label No Peanuts, das auch ein Tonstudio beherbergt. Derzeit bereitet er sein neues Album „Neo Punk“ vor, das im Herbst erscheinen soll. Darauf reimt er über alte Götter, die die Menschen nicht mehr verstehen oder versetzt sich 30 Jahre in die Zukunft . „Viele Rapper sprechen ja vor allem jungen Zuhörer an. Wenn man aber etwas älter ist oder ein höheres Bildungsniveau hat, kann man damit oft wenig anfangen“, sagt er. Und schiebt hinterher, dass er die Musik von Kollegen wie Bushido und Massiv schätzt. Im Gegensatz zu ihnen berichtet Prinz Pi aber nicht nur von Berlins dunklen Seiten, denn das wäre nicht authentisch. „Die Leute sollen nach meinem Tod mal sagen: Er hat in seiner Kunst immer seine persönlichen Sichtweisen reflektiert,“ sagt er. Ein Rapper mit Grips eben.

Am Freitag um 20 Uhr tritt Prinz Pi mit K.I.Z., Spezializtz und anderen im Columbiaclub (Columbiadamm 13-21) auf.

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