Ramones-Museum : Der Typ von der Punkstelle

Die Hose von Johnny, die Schuhe von Marky – Florian Hayler hat sein Ramones-Museum in Mitte wiedereröffnet. Die Exponate hat er selbst gesammelt.

Jan Oberländer
Florian Hayler
Die neuen Museumsräume hat Florian Hayler in der Krausnickstraße eingerichtet. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Born to die in Berlin“ hieß das letzte Lied auf dem letzten Studioalbum der Ramones. 1974 gegründet, waren die vier New Yorker mit ihrem schnellen, minimalistischen Stil die einflussreichste Punkgruppe der Welt. Bassist Dee Dee Ramone hatte das Lied geschrieben, er war als GI-Kind in Zehlendorf aufgewachsen. Gestorben ist er 2002 in Hollywood, bereits ein Jahr zuvor war Bandkollege Joey gestorben, 2004 folgte Johnny. Von den Ur-Ramones ist nur noch Tommy am Leben.

Florian Hayler kennt Dee Dees letzten Song auswendig. Aber er lässt seine Helden nicht sterben. Der 35-jährige Strubbelkopf, im Hauptberuf stellvertretender Chefredakteur des Musikblatts Uncle Sally’s, hält das Andenken an die lederbejackten, jeansbehosten Punk-Pilzköpfe lebendig – in Berlin. Das weltweit einzige Ramones-Museum hat in der Krausnickstraße in Mitte neu eröffnet.

Seit seinem ersten Ramones-Konzert 1992 in Bremen sammelt Hayler Ramones-Memorabilien. Das fing mit der ersten Eintrittskarte an, mit dem ersten Tourplakat, dem ersten T-Shirt. Seit damals hat Hayler seine Helden „sechs oder sieben Dutzend Mal“ live gesehen, tourte ihnen bis in die USA hinterher. Von seinen Reisen hat er Flyer und Fotos mitgebracht, Textmanuskripte und Gitarren, Joeys Handschuh und Johnnys Bühnenjeans. Auf den Oberschenkeln der Hose sind Löcher, von der tief hängenden Gitarre hineingeschabt.

Dieser Schatz durfte der Welt nicht länger vorenthalten werden. Schon im November 2005 hatte Hayler mit seinen gut 300 Original-Devotionalien aus über 20 Jahren Ramones-Geschichte sein erstes Museum in der Kreuzberger Solmsstraße eröffnet. Nach zwei Jahren musste es jedoch ausziehen. Die Miete war auf das Dreifache erhöht worden.

Jetzt ist das Museum zurück, mitten im Touristenbezirk. Die Miete ist erschwinglich, weil die Vermieter das Liebhaberprojekt mögen. Noch wird das Material als bunte „Breitseite“ präsentiert, wie Hayler grinsend sagt. Wände und Vitrinen sind vollgestopft mit Reliquien, in einem Filmraum sollen Konzertmitschnitte gezeigt werden, ein Holzpodest dient als Zuschauertribüne für Filmabende oder als Lesungsbühne.

Die Ausstellung gestaltet Hayler gemeinsam mit dem Künstler und Ramones-Weggefährten Arturo Vega, der das charakteristische Bandlogo entworfen hat: einen US-Wappenadler mit Apfelzweig und Baseballschläger in den Krallen. T-Shirts mit dem Logo gibt es im Museumsshop, viele Besucher tragen es bereits unter ihren Lederjacken. Schließlich ist Haylers Museum eine Kultstätte für Fans. Sie sollen im Museumscafé „Mania“ zusammenkommen und Erinnerungen austauschen. „Ich will dem 46-jährigen Engländer zuhören, der die Ramones 1975 live gesehen hat!“ sagt Hayler. Vielleicht habe der ja auch noch ein altes Ticket für die Sammlung.

Ramones-Museum, Krausnickstraße 23, Mitte. Mo geschlossen, Di 8 bis 18 Uhr, Fr 8 bis 22 Uhr, Sa 10 bis 22 Uhr, So 12 bis 18 Uhr. Eintritt: 3,50 Euro. Homepage: www.ramonesmuseum.com

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