Soloalben : Auszeiten von Belle & Sebastian und Interpol

Es muss eine Mischung aus kreativer, physischer und psychischer Erschöpfung sein, die Musiker aus erfolgreichen Bands immer wieder zu Soloalben animiert: Alleingänge von Julian Plenti und Stuart Murdoch.

Gerrit Bartels

Die immer gleiche Musik, das stressige Touren rund um die Welt, die enervierenden gruppendynamischen Prozesse – da heißt es: Auszeit nehmen, Reserven auffüllen, sich musikalisch absondern.

Das kann länger dauern wie bei Stuart Murdoch von der schottischen Indie-Band Belle & Sebastian, die seit 1995 dabei ist, aber erst mit ihrem dritten Album „The Boy With The Arab Strap“ zu Ruhm und Publikumsehren gelangte. Oder es geht schneller, wie bei Paul Banks von der New Yorker Formation Interpol, die schon mit ihrem ersten Album für Aufsehen sorgte, auf ihrem jüngsten dritten aber sehr ausgepumpt wirkte. Interpol wissen zwar noch, wie es geht, musikalisch sind sie besser denn je, aber was das Ganze noch soll, wissen sie nicht mehr.

Die Soloalben, die Stuart Murdoch und Paul Banks in diesem Sommer vorlegen, unterscheiden sich jedoch nicht so wahnsinnig von denen ihrer Bands. Sie scheinen, wie im Fall von Banks, der sich jetzt Julian Plenti nennt, der Selbstvergewisserung zu dienen. Und im Fall von Murdoch dann doch mehr einer verschwenderischen Kreativität geschuldet zu sein. Paul Banks hat als Julian Plenti elf ganz schöne, traumverlorene, leicht düstere, melancholische, wie bei Interpol auch der New Yorker Stimmung nach 9/11 verpflichtete Stücke eingespielt. Auf denen liegt viel Hall, sie enthalten weniger Joy-Divison-Versatzstücke, dafür mehr instrumentellen Schnickschnack wie Saxophon-, Trompeten-, und Cello-Partikel.

Stuart Murdoch wiederum hat mit „God Help The Girl“ den Soundtrack zu einem Film geschrieben, der erst noch produziert werden will. Die Songs darauf, meist gesungen von den ganz wunderbaren, von Murdoch entdeckten Celia Garcia und Catherine Ireton, weisen noch mehr als bei Belle & Sebastian in die Sixties, sind aber wunderbar tirilierend, fröhlich und üppig, aber nie bombastisch orchestriert. „God Help The Girl“ wird von einer gediegenen Munterkeit dominiert, einer Munterkeit à la „Some girls are bigger than others“ von den Smiths, deren Vorliebe für weibliche Sixties-Ikonen wie etwa Sandy Shaw Murdoch teilt. Das Albumcover hätte einst auch jedes The-Smiths-Album zieren können. Allerdings versteht es sich, dass gleich zwei Belle & Sebastian-Songs auf diesem Album eine neue Interpretation erfahren. So schnell kann kein gestresster Bandmusiker aus seiner Haut.

„Julian Plenti is... Skyscraper“ ist bei Matador erschienen, „God Help The Girl“ bei Rough Trade.

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