Tapes’n Tapes - Outside : Bereit für die großen Bühnen

Tapes’n Tapes spielen bislang eher in der zweiten Liga der Indiebands. Das soll sich nun mit ihrem dritten Album ändern. Die Chancen dafür stehen angesichts von Songs mit Wiedererkennungswert gut.

Martin Väterlein
Freundliche Band mit ernstem Gestus
Freundliche Band mit ernstem GestusFoto: Cargo

Schon das Cover macht deutlich, was einen in den nächsten knapp 45 Minuten erwartet. Auf der Vorderseite ein Schnappschuss eines Paars Frauenbeine in Jeansshorts. Man assoziiert sommerliche Festivalatmosphäre. Auf der Rückseite liegt eine Band scheinbar erschöpft zwischen Instrumenten herum. Es ist dunkel.
Ja, bei Tapes’n Tapes handelt es sich um eine Band, die man gern bei einem Auftritt kennen lernen möchte. Hier darf noch geschwitzt werden, der Sänger leidet, die Gitarren arbeiten. Alles Zutaten, die den besonderen Reiz von Livegigs ausmachen. Leidenschaft ist nach wie vor gefragt und davon bieten die vier Jungs aus Minneapolis eine ganze Menge. Doch mehr als das: Die Band hat auch Humor. Der ist zum Beispiel auf dem wirklich tollen „One in the world“ zu hören, wo mit Xylophon und Bläsern hantiert wird, dass es eine Freude ist.
Dem Gegenüber liegt aber eine gewisse Dunkelheit über einem Großteil der zwölf Songs auf „Outside“. In dieser Hinsicht kommen Tapes’n Tapes den großen Bands ihres Genres nahe. Man mag zum Beispiel an Pavement denken oder mit Blick auf so manche Gitarrendissonanz an Sonic Youth und die Pixies. Auch der Vergleich mit den Violent Femmes liegt nicht allzu fern. Vergleiche bieten sich also im Dutzend und doch bleiben Tapes’n Tapes eigenständig.

Das liegt in aller erster Linie am unverkennbaren Gesang von Josh Grier. Der ist intensiv und weißt die für Indierock fast schon notwendig Nöligkeit aus. Eddie Vedder lässt grüßen.
Dass diese Mixtur auf Albumlänge nicht nervt, ist die große Stärke von Griers Stimme und den abwechslungsreichen, gutgeerdeten Songs zu verdanken.
Es ist gar nicht mehr so weit hin, bis bei den großen Open Airs wieder die Zelte aufgeschlagen werden. Es wäre schön, Tapes’n Tapes in diesem Sommer rocken zu sehen und es müssen diesmal ja nicht wieder unbedingt die kleinen Nebenbühnen sein.

Ebenfalls neu auf Vinyl:

Sehr entspannt kommt Lanu aus Neuseeland daher. Der mittlerweile in Australien arbeitende Produzent veröffentlicht neben seinem Hauptjob bei den Bamboos hin und wieder Soloplatten, die sich so gänzlich vom Funk seiner Band abheben. „Her 12 Faces“ ist purer Pop. Garniert wird das Ganze von der schmeichlerischen Stimme einer jungen Dame namens Megan Washington, die mit schöner Leichtigkeit den spielerischen Glanz des Albums unterstreicht.
Die alte Ehe zwischen Hip Hop und Jazz wird auf „74 miles away“ erneut geschlossen. Der Stücke des belgischen Pianisten Pierre Anckaert haben sich die Produzenten von Monkey Robot angenommen. Das Resultat lässt sich hören. Groovige Fender Rhodes Sounds sorgen für die jazzige Atmosphäre. Die Produktion holt dieses Gefühl aus den 70er Jahren hinüber in die  - na ja – zumindest 90er.

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