Kultur : Post von Heidegger

Gute Ergebnisse bei der Autografenauktion des Hauses Stargardt

Iring Fetscher

Von einer Wirtschaftskrise ist im Autografenhandel nicht viel zu merken. Bei den zweimal jährlich vom Berliner Antiquariat J. A. Stargardt organisierten Auktionen melden sich die treuen Liebhaber kostbarer Handschriften stets zurück. So fanden fast alle interessanten Angebote in der über 14000 Stücke umfassenden Versteigerung Abnehmer; vieles wurde sogar weit über dem Schätzpreis zugeschlagen. Erfreulicherweise sicherte sich das Marbacher Literaturarchiv den bedeutenden Briefwechsel Martin Heideggers mit seinem Kollegen Kurt Bauch, der Rückschlüsse auf das Verhältnis des Philosophen zum Nationalsozialismus erlaubt, zum erwarteten Preis von 60000 Euro.

In der Abteilung Literatur konnte Schillers doppelseitiges Blatt mit zwei Gedichten seinen Schätzpreis von 40000 Euro vervielfachen und erzielte mit 190000 Euro den Höchstpreis der Auktion. Schopenhauers zwölfseitiges Manuskript fand für stolze 70000 Euro einen Käufer (Taxe 30000 Euro). Zwei Musikzeilen von Wolfgang Amadeus Mozart brachten 36000 Euro (Taxe 20000 Euro). Der Bericht Ignaz Franz Edler von Mosel über die Auffindung von Mozarts Requiem war der Wiener Nationalbibliothek 5200 Euro wert. Das Stammbuch des dänischen Diplomaten und zweiten Ehemanns von Constanze Mozart stieg von 4000 auf 30000 Euro. Eine Postkarte von Egon Schiele aus Prag war einem Sammler 20000 Euro wert, obgleich die Unterschrift fehlt und sie auf lediglich 800 Euro geschätzt war.

Während die zahlreichen Briefe Napoleons kaum über den Schätzpreis stiegen, erzielte eine von seinem Vater, dem korsischen Freiheitskämpfer Carlo de Buonaparte, unterschriebene Urkunde 9500 Euro (Taxe 4000 Euro). Die in Berlin lebenden Russen scheinen dagegen die Chance, Dokumente zur Geschichte ihres Landes zu ersteigern, noch nicht entdeckt zu haben. So blieb selbst ein Schriftstück mit Unterschrift Katharinas der Großen mit 550 Euro unter dem Schätzpreis, während der kritische Brief Bismarcks über die Frankfurter „demokratische“ Polizeiführung von 400 auf 1100 gesteigert wurde. Insgesamt wurden bei der Auktion 1,9 Millionen Euro umgesetzt.

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