Kultur : Potsdam träumt

Zum 20. Geburtstag der Freunde Preußischer Schlösser & Gärten

Hermann Rudolph

Zwanzig Jahre sind keine lange Zeit, misst man sie an der dauernden Anstrengung, die die Bewahrung von Kultur und Kunst erfordert. Dennoch kann man sagen, dass im Freundeskreis der Preußischen Schlösser und Gärten, der nun auf diese Zeitspanne seines Bestehens zurückblickt und das mit einer Festveranstaltung an diesem Sonnabend begeht, bereits ein Kapitel Berliner Kulturgeschichte steckt, ja, im Hegelschen Sinne, aufgehoben ist. Es beginnt in West-Berlin, mit einem mittlerweile schon legendär gewordenen Beispiel bürgerschaftlicher Aktivität: der Kampagne für den Ankauf des Watteau-Bildes „Einschiffung nach Kythera“ im Schloss Charlottenburg, das für Berlin verloren zu gehen drohte. Sein Besitzer, Prinz Louis Ferdinand von Preußen, war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Zwei Jahrzehnte später zieht sich die Spur der Aktivität des Vereins durch die ganze Berlin-brandenburgische Kulturlandschaft.

Die tiefere Bedeutung besteht wohl darin, dass die Gründung des Freundeskreises einen Schritt zur Wiedergewinnung eines neuen Bewusstseins für die künstlerische Hinterlassenschaft Preußen-Berlins bildete: So etwas wie die Rettungsaktion für Watteaus Meisterwerk, die auch viele westdeutsche Persönlichkeiten anzog –, an ihrer Spitze Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank – hatte es bis dahin nicht gegeben. Nicht weniger bemerkenswert bleibt, dass die Freunde nach dem Mauerfall ihre Aktivität sogleich auf Potsdam ausdehnten. Nur acht Tage nach dem 9. November nahm Hans-Joachim Giersberg, der damalige Schlösserdirektor von Sanssouci, an ihrer Vorstands- und Kuratoriumssitzung teil. Seither galt ein Gutteil ihres Engagements den damals vom schleichenden Verfall bedrohten Bauwerken in der reichen Potsdamer Schlösserlandschaft. Mittlerweile reicht der Einsatz bis nach Paretz und Rheinsberg.

Die Wiedervereinigung der Berlin-brandenburgischen Kulturlandschaft bedeutete aber auch einen Attraktivitätsschub für den Verein. In den dreizehn Einheitsjahren hat sich die Mitgliederzahl auf rund 1200 verfünffacht. Erfolgreich war der Freundeskreis auch, wie die Bilanz belegt, die der Verein nun zum Jubiläum gezogen hat: mehr als achtzig Erwerbungen, zumeist verlorenes Inventar – Bilder, Möbel, Tafelservices –, sowie bald vierzig Restaurierungen. Dazu gehören Sicht- und Gefühlsmarken Berliner Baukultur – etwa Schloss Glienicke und das Wrangelschlösschen – ebenso wie Zeugnisse der träumerischen Potsdamer Kunstwelt, vom Pomona-Tempel auf dem Pfingstberg bis zum Chinesischen Haus in Sanssouci.

Das alles verdankt sich der Spendenbereitschaft der Mitglieder, aber auch der Fähigkeit, große Stiftungen anzusprechen – wobei vor allem der Name von Ruth Cornelsen und die Cornelsen Kunststiftung zu nennen sind. Ohne sie wäre zum Beispiel die eben erst vollendete Wiedergeburt von Schloss Paretz aus einem tristen DDR-Umbau nicht gelungen. Und genannt werden müssen auch die Persönlichkeiten, die den Verein geprägt haben – der unvergessliche Otto von Simson, Vorsitzender für bald zehn Jahre, und sein Nachfolger Thomas Gaehtgens.

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