Kultur : Pro Parzinger

Die Preußen-Stiftung vor dem Wechsel

Bernhard Schulz

Ein Generationenwechsel steht der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) bevor. Morgen wird der Stiftungsrat den künftigen Präsidenten der größten deutschen Kultureinrichtung bestimmen. Nach der Absprache von Bund und Ländern besteht kein Zweifel, dass der neue Chef über 17 Museen, zwei Staatsbibliotheken und eine Reihe weiterer Institutionen Hermann Parzinger heißen wird, derzeit noch Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts. Der 48-jährige Münchner wird im kommenden Februar den dann 68-jährigen Klaus-Dieter Lehmann ablösen. Der Wechsel ist nicht nur personeller Natur. Eine Neuorientierung der Preußen-Stiftung steht bevor. Parzingers wissenschaftlicher Werdegang zeigt eindrucksvoll, dass die SPK aus ihrem hergebrachten, abendländisch geprägten Fahrwasser ausscheren muss.Es geht gar nicht anders. Die Globalisierung holt die großen Kultureinrichtungen ein.

Die wissenschaftliche Arbeit, die für die preußischen Einrichtungen seit jeher das Fundament ihrer Sammel- und Ausstellungstätigkeit bildete, war stets weltumspannend ausgerichtet. Seit der Wiedervereinigung stand die Bewahrung und Modernisierung des baulichen Erbes im Vordergrund, auf der Museumsinsel wie bei der Staatsbibliothek. Beides bleibt ein kräftezehrendes Unterfangen. Parzinger wird das geplante Humboldt-Forum zu seiner ureigensten Angelegenheit machen und damit die außereuropäische Dimension, die er selbst in seiner Ausgrabungstätigkeit in Südsibirien eindrucksvoll vorgelebt hat, in den Mittelpunkt rücken. Die Dahlemer Sammlungen der Ethnografie müssen aus ihrem Schattendasein herausgeholt werden, so schnell es nur geht. Als Hauptstadt eines auf weltweite Einbindung existenziell angewiesenen Landes kann Berlin nicht länger hinter Paris oder London zurückstehen.

Die Bedeutung des „schönen“ Kunstwerks, der die Häuser auf der Museumsinsel huldigen, nimmt ab – zugunsten der Kulturgeschichte, die die Totalität menschlicher Lebensäußerungen in den Blick nimmt. Das ist die Richtschnur der ethnografischen Sammlungen, denen der europäische Kunstbegriff zu eng ist. In Zukunft wird er dem Wechselspiel mit Außereuropa ausgesetzt sein.

Um diese Jahrhundertaufgabe zu meistern, wird der künftige SPK-Präsident mehr gestalterische Freiheit einklagen müssen. Die strenge Kameralistik, in der der Hauptgeldgeber, der Bund, und die eher nur repräsentativ auftretenden 16 Länder die Preußen-Stiftung gefangen halten, ist längst obsolet geworden. Auf Dauer muss ein Globalhaushalt her. Die Preußen-Stiftung und mit ihr Berlin haben die einmalige Chance, in die Spitze des globalen Wissens- und Kulturaustausches zu gelangen. Bernhard Schulz

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