Kultur : Produkt Kahlo

Veranstaltungsreihe über die mexikanische Malerin

Verena Friederike Hasel

Eigentlich fehlt jetzt nur noch eine Frida-Barbie – Mit Bärtchen und einem Bein, beigefügt die stets qualmende Zigarette en miniature. Wäre jetzt auch genau der richtige Zeitpunkt, so kurz vor ihrem 100. Geburtstag, und bestimmt wäre es eine Image-Aufwertung für die Barbiehersteller, wenn sie Frida Kahlo für sich reklamierten.

Mit genau diesem Aspekt beschäftigt sich die Veranstaltungsreihe „100 años“. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Wirkungsgeschichte der Künstlerin. Auf der Suche nach dem Ursprung des Produkts Kahlo findet man zunächst eine Frau, die sich sehr gut auskannte mit Imagepflege: So verlegte Kahlo ihr Geburtsdatum vom 6. Juli 1907 drei Jahre nach hinten, auf den Tag der Revolution, und präsentierte sich gern ganz traditionell, eingehüllt in Trachten aus Tehuana. Auch in ihrem Werk, gespickt von Selbstporträts wie „Las dos Fridas“, kommt sie ohne die eigene Person kaum aus. Auf der einen Seite also eine Inszenierungskünstlerin, der auf der anderen Seite Rezipienten gegenüberstehen, die alle eine große Bereitschaft zeigen, Kahlo für sich zu vereinnahmen, die Feministinnen ebenso wie Surrealisten.

Die Vorträge, die im Rahmen von „100 años“ zu diesem Thema stattfinden, etwa der zu Kahlos Darstellung im Film, sind vielversprechend. Dagegen sind Renate Reichert und Gisela Weismann, deren Arbeiten in der dazugehörigen Ausstellung im Haus am Kleistpark zu sehen sind, wohl genau demselben Fehler anheimgefallen, den auch schon andere vor ihnen gemacht haben, nämlich den der Überidentifizierung mit Kahlo. Beide haben die Künstlerin als Bezugspunkt ihres Schaffens gewählt – und bleiben dabei selbst eigenartig profillos.

„100 años“, Bilderausstellung zu Fridas Kahlos 100. Geburtstag, vom 25. Mai bis 7. Juli, Di–So 14 bis 18 Uhr im Haus am Kleistpark. Vortrag „Frida kommt ins Kino“, 29. Mai um 19 Uhr, Ibero-Amerikanisches Institut.

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