Promi-Biografien : "Der Name allein reicht nicht"

Auch in diesem Jahr ist die Frankfurter Buchmesse wieder Treffpunkt für eine ganze Reihe von Prominenten, die ihr Leben zu Papier gebracht oder bereits als Hörbuch veröffentlicht haben. Doch nicht jede Biografie verkauft sich erfolgreich.

Frankfurt/Main - Die Liste der Titel ist bunt: "Auge zu und durch", "Ich musste immer lachen", "Neulich, als ich noch Kind war", "Kokolores" oder ganz schlicht "Mein Leben". Dahinter verbergen sich die Lebenserinnerungen von Stars aus dem deutschen Showgeschäft.

Komiker Karl Dall, Kabarettist Dieter Hildebrandt, Musiker James Last und Schauspieler Hilmar Thate haben ihre Werke auf der weltgrößten Bücherschau bereits vorgestellt. Für Samstag und Sonntag - die allgemeinen Besuchertage - sind TV-Moderator Alfred Biolek, Schauspielerin Senta Berger, Sängerin Marianne Rosenberg und Entertainer Hape Kerkeling als Publikumsmagneten angekündigt.

Kerkeling führt die aktuelle "Spiegel"-Bestsellerliste (Sachbuch) mit dem Erfahrungsbericht seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg ("Ich bin dann mal weg") weiter an. Auch in den Top Ten für das erste Halbjahr 2006 steht er auf Platz fünf. Senta Berger, die in Frankfurt am Sonntag das Hörbuch zu ihrer Biografie "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann", vorstellen will, folgt mit der Druckausgabe auf Platz 6. Direkt dahinter liegt Heiner Lauterbach mit "Nichts ausgelassen".

Mehr Flops als Tops

Dass schon allein die Prominenz des Autors ausreicht, um eine Biografie in die Bestsellerlisten zu bringen, weist Stephan Wirges vom Verlag Kiepenheuer & Witsch (KiWi) auf der Buchmesse aber zurück. "Der Name allein ist es nicht", betont der stellvertretende Vertriebsleiter des Verlags. "Natürlich, der Bekanntheitsgrad spielt eine Rolle - eine Autobiografie von jemandem, den keiner kennt, wäre ja unsinnig. Aber es muss auch eine Person dahinter stehen, die schreiben kann, die eine Geschichte erzählen kann und die sich natürlich sehr gut vermarkten kann."

Bei KiWi sind die Biografien von Biolek, Hildebrandt und Berger erschienen. "Ich glaube, auf dem Markt gibt es im Gegenteil eher Flops als Tops", sagt Wirges mit Blick auf den Erfolg von Star-Bios weiter. "Von den zehn, die floppen, hört man aber eben nichts mehr, weil die einfach in der Versenkung verschwinden."

Ganz wesentlich kommt es nach Aussage der Verlagsexperten in Frankfurt auch darauf an, wie sehr die prominenten Autoren bereit sind, die Werbetrommel für ihr Werk zu rühren. "Das heißt Interviews geben, auf Lesereisen gehen", erklärt Klaus Kluge, Marketingleiter des Droemer-Verlags. Dort war die Autobiografie von Heiner Lauterbach erschienen, in der es um viel Sex und viele Drogen ging.

Bohlen-Bio hat die Nase vorn

"Eine Person, die polarisiert und auch verschiedene Facetten ihres Lebens darstellt, ist natürlich interessanter als jemand, der rein aus dem künstlerischen Fach berichtet - und Heiner Lauterbach hat eben seine ganze Welt dargestellt", zieht Kluge zufrieden Bilanz. Bislang gingen von Lauterbachs Buch rund 90.000 Exemplare über den Ladentisch.

Die erfolgreichste Promi-Bio der vergangenen Jahre legte aber mit Abstand der Heyne-Verlag mit Dieter Bohlens "Nichts als die Wahrheit" vor. Rund eine halbe Million Mal verkaufte sich das Werk. "Das hat damals über die Skandalgeschichte funktioniert", sagt Verkaufsleiterin Antje Cierpiol. "Im Zuge der Bohlen-Hysterie hat ja dann quasi jeder Promi seine Biografie geschrieben, aber wenn der Name zu klein wird oder auch die Geschichte nicht funktioniert, dann läuft das am Markt natürlich nicht." Zufrieden ist man bei Heyne dagegen erneut mit der Resonanz auf "Mein Leben" aus der Feder von James Last.

Dieter Hildebrandt betrachtet die Tatsache, dass er nach mehreren vorangegangenen Büchern nun erstmals sein ganzes Leben erzählt hat, indes mit einem Schmunzeln: "Mein Vater hat immer gesagt, ich lese nur Biografien von bedeutenden Menschen. Wenn er gewusst hätte, dass ich mein Leben erzähle, hätte er sich an den Kopf gefasst und gesagt, ich sagte ausdrücklich von bedeutenden Menschen, mein Sohn." (Von Marina Antonioni, ddp)

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