Kultur : Psychogramme - Das Ensemble UnitedBerlin mit Schönberg und Adams

Volker Straebel

Größere Gegensätze wird man in einem Konzertprogramm schwerlich finden. Arnold Schönbergs expressivem Streichsextett "Verklärte Nacht" stellte Andreas Bräutigam, Primarius des Ensembles UnitedBerlin, die "Shaker Loops" von John Adams voran. Der 1978 entstandene Abgesang auf den strengen Minimalismus wirkt heute mit seinen unentschlossenen harmonischen Rückungen, dem langsamen Ein- und Ausblenden wechselnder Pendelmotive und den starr eilenden Repetitionen überraschend aktuell und der gegenwärtigen Popmusik verpflichtet. Gar nicht puritanische 240 beats per minute gab es eben schon vor Techno - hier allerdings in Gestalt eines Streichseptetts mit gelegentlichen Intonationsproblemen. Diese vermochten in der Berliner Kabarett Anstalt (BKA) den Eindruck eines schlüssigen Virtuosenstückes jedoch nicht wirklich zu trüben.

Keinem Ensemble tut es gut, in seiner Heimatstadt nicht regelmäßig präsent zu sein, und UnitedBerlin wird sicherlich in der nächsten Saison von seiner Reihe im Konzerthaus profitieren. In der "Verklärten Nacht" gaben seine Streicher einen Vorgeschmack auf das ihm mögliche Niveau und verwandelten die selten gespielte originale Sextett-Fassung in ein eindringliches Psychogramm. Doch statt den programmatischen Ausgangspunkt - ein Gedicht Richard Dehmels - musikalisch nachzubuchstabieren, besannen sich die Herren auf die motivische Ökonomie des Werkes. Üppiger Schmelz wie in der Einleitung der E-Dur-Passage blieb die Ausnahme, dynamische Großzügigkeit an einigen Pianissimo-Stellen ebenfalls. UnitedBerlin überzeugte mit ausgewogen warmer Klanglichkeit und instrumentaler Balance in einer stimmigen Interpretation, die emotionalen Überschwang meidet, ohne ihn zu leugnen.

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