Kultur : Puff, paff, peng

Lustig und laut: Kiss in der Berliner Waldbühne.

H. P. Daniels

Gewittriges Grummeln unterm blauen Sommerhimmel. Wuseln hinterm Bühnenvorhang. Zack! Da fällt er schon runter. Zu einem tierisch gutturalen Schrei aus dem Off. Raunen im vollbesetzten Halbrund der Waldbühne: „Uaah! Da sind sie!“ Kiss! Es kracht und knallt, pufft und pafft. Begeisterungsexplosionen, Bühnenexplosionen, Feuerwerkskörper. Firebirdgitarre und Les Paul tänzeln und spielen parallel: „Psycho Circus“.

Ja, es ist eine lustige Mischung aus durchgeknalltem Zirkus, Maskenball, Mummenschanz. Mit vier Akteuren, die sich wieder mächtig Mühe gegeben haben bei der Kostümierung. Den kunstvoll zurechtgezuppelten Perücken und zu ewiger Jugendlichkeit weiß übertünchten Gesichtern mit aufgemalten schwarzen Masken. Als putzige Katze bedonnert Eric Singer sein gigantisches Schlagzeug allerdings nicht mit Samtpfoten. Tommy Thayer spielt eine solide rockende Leadgitarre und turnt auf brikettartig besohlten Stiefeln silbrig glitzernd über die flammende Bühne. Paul Stanley, als niedliche alterslose Manga-Comic-Figur mit rotem Schmollmund und ledriger Korsage, hackt harte Riffs in die Saiten und kreischt mit hoher Hardrockstimme Songs und Publikumsanimationen.

Alle tanzen, rocken, recken die Arme, grölen hymnische Hits: „I Love It Loud“. „Say Yeah“. Und alle freuen sich diebisch, wenn Bassist Gene Simmons, keck kostümiert als Mischung aus Monster, Ritter, Reptil und Fledermaus, seine lange Zunge flattern lässt, etwas unappetitlich Kunstblut sabbert und Feuer spuckt. Und immer wieder Knalleffekte. Fahrten auf der Hebebühne, hoch und runter. Raketenabschüsse im Takt. Großes Leuchten, gigantischer Lärm. Bis auf den herausragenden, eher untypischen Disco-Hit von 1979 „I Was Made For Lovin’ You“ hat man den sicher ohne Fehl und Tadel gespielten Hardrock allerdings auf dem Heimweg längst vergessen. Kiss waren seit je mehr Show als Band. Oder, wie der Berliner noch treffender sagt: „Schooh“. H. P. Daniels

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