• Purismus - Eine Ausstellung in der Galerie Aedes-East über die Baukunst der Berliner Republik

Kultur : Purismus - Eine Ausstellung in der Galerie Aedes-East über die Baukunst der Berliner Republik

Frank Peter Jäger

Wenn es stimmt, dass Regierungsarchitektur ein Spiegelbild des Staates ist, dem sie dient, so wirft die Mehrzahl der neuen Berliner Regierungsbauten ein durchaus freundliches Licht auf die Bundesrepublik. Sie zeugen von einer pragmatischen und behutsamen Baupraxis des Bundes. Jenseits des bombastischen "Band des Bundes" dominieren unter den Bauten für Ministerien und Bundeseinrichtungen nicht die stolzen, prestigeheischenden Solitäre, sondern kleinteilige, mit Geschick in das Stadtgefüge eingepaßte architektonische Patchworks. Selbst die nach der Wende gerne geschmähten Plattenbauten werden in mehreren Ministerienkomplexe einbezogen. Der Komplex des künftigen Justizministeriums etwa verschmelzt die bunte Mischung einen ganzen Baublock im früheren Berliner Konfektionsviertels am Hausvogteiplatz zu einer neuen Einheit. Darunter ein früheres Kaufhaus, ein Textilkontor aus dem Jahre 1896 sowie mehrere Bauten der DDR-Ära. Die Galerie Aedes-East zeigt nun die architektonischen Konzepte von zehn Berliner Neu- und Umbauprojekte der Bundesregierung ausserhalb des Spreebogens.

Wo historische Gebäude für neue Zwecke vorbereitet werden, gehören die Erneuerung der Interieurs zu den zentralen Bauaufgabe - mit nicht immer glücklichen Ergebnissen: Das Hamburger Architekturbüro Schweger und Partner war mit der Gestaltung des Bundesrates in den Mauern des ehemaligen Preussischen Herrenhauses an der Leipziger Straße beauftragt. Die Architekten entwarfen Tribünen und Wandverkleidungen des Plenarsaals aus meist glattem, hellem Holz, ein Oberlicht aus flaschengrünem Glas schließt den Raum nach oben ab. Eine ebenso belanglose wie austauschbare Innenausstattung, die zu jedem x-beliebigen Bürohaus von der Stange gehören könnte.

Hans Kollhoffs Konzept für Rekonstruktion und Umgestaltung der Räume im Mitte der dreissiger Jahre errichteten Reichsbankgebäude an der Spreeinsel zeigen mehr Kontur, geben aber ebenfalls Anlass zu Skepsis. In der Austellung zeigen Fotoserien anschaulich den bauhistorischen Dreisprung: Dreissiger Jahre - Umbau der DDR-Zeit - Kollhoff-Planung. Der Ursprungszustand des Eingangsbereichs zeigt einen ausdrucksvollen, als Relief aus der Wand tretenden Adler, der die Stufen hinab zu stürzen scheint. Nach dem Umbau zur SED-Zentrale ist der Adler verschwunden. Stattdessen wird die Wand durch drei elegante Wandleuchter gegliedert. Kollhoff nun betreibt die Purifizierung des ohnedies puristischen Baus und läßt nichts als die nackte Wand übrig. Das I-Tüpfelchen seines Innenraumkonzeptes ist die kraftvolle Farbfassung von Decken und Wände durch den Künstlers Gerhard Merz, der auch Skulpturen und Lichtinstallationen beisteuerte.

Unter den ausgestellten Arbeiten finden sich - abgesehen vom bereits bezogenen Bundespräsidialamt - nur zwei Neubauten: Max Dudlers Gebäude für das Verkehrs- und Bauministerium sowie der Erweiterungsbau für das Auswärtige Amt, den die Berliner Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann ausführen. Dudler bewegt sich wie gewohnt im Raster einer betont strengen Lochfassade. Vielschichtiger und weniger kühl präsentiert sich der Erweiterungsbau für das Auswärtige Amt von Reimann und Müller - es sollte leichter und freundlicher wirken als das monolithische Nachbargebäude der alten Reichsbank.

Die Architekten hatten die Frage der doppelten Gebäudeorientierung zu lösen: Einerseits hat sich der Bau mit seinem repräsentativen Eingangsbereich an dem zweiten, größeren Haus des Amtes zu orientieren. Um dem Schinkel-Ensemble an seiner Straßenseite - Friedrichswerdersche Kirche und die zum Wiederaufbau vorgesehenen Bauakademie - nicht seine Rückseite zuzuwendet führten die Architekten zur Französischen Straße hin ein von Glaswänden gefasstes Atrium tief in das Gebäude hinein. Es soll als Zugang zu den öffentlichen Einrichtungen des Amtes wie Café, Besucherbüro und Bibliothek dienen. Die Fassade steht in der Tradition der klassischen Moderne - die Fensterbänder werden vertikal nur durch schmale Bänder aus hellem Travertin gefasst. Doch wirkt das Gebäude bei aller Strenge nicht monoton, den Hell-Dunkel-Rythmus der Fassade erzeugt die hinter der äußere Glashaut liegende Abfolge von Pfeilern und Fenstern. Den Architekten gelingt es so, der Gebäudefront auch ohne strenges Fensterraster Kontur und Rythmus zu geben.

Die drei÷Öffnungen beleben die Kubatur des Gebäudes. Da sie bis zur Oberkante des Hauses führen, drohen sie allerdings auch, die Geschlossenheit seiner Fassade zu sprengen. Eine reizvolle Idee ist das dritte, zur Spree gewandte Fenster: Es öffnet sich erst oberhalb des Sockelgeschosses und gewährleistet so die angemessene Intimität für den hier geplanten inneren Garten des Hauses.Galerie Aedes East, Rosenthaler Straße 40/41, bis 20. September, Di-Fr 11-18.30 Uhr, Sa 11-15 Uhr, So 12-17 Uhr

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