Kultur : Radio 3 und radio kultur sollen zu einer Welle verschmelzen

Joachim Huber

Die Zukunft wird fürchterlich sein. Berlin, die Kulturhauptstadt, soll ab dem nächsten Jahr ein Kulturprogramm weniger hören. Der SFB-Intendant ist sich mit seinem ORB-Amtskollegen darüber einig, die derzeitigen Programme Radio 3 und radio kultur zu einer einzigen Welle zu verschmelzen. Arbeitstitel: Radio 3 Kultur. Das ist schlimm, aber es kommt noch schlimmer: Der NDR soll auch noch mitmischen. Heute berät der Programmausschuss des SFB wieder über das Projekt. Der ORB und seine Gremien, die die Finanzlage der ARD-Häuser anerkennen, machen Druck. Stimmt der SFB der Trio-Lösung nicht zu, dann kooperieren die Potsdamer nur mit den Hamburgern - sollen die Berliner doch sehen, wie sie alleine Kulturradio veranstalten.

Berliner Kulturmenschen, wenn sie verzweifelt sind, neigen zu Trotz und Blindwütigkeit - und zum Alleingang beim Kulturradio. Da liegt für den Moment Kraft drin, aber für die Dauer keine Lösung. Die Historie des SFB-Hörfunks, reich an Irrtümern, braucht kein weiteres kurzes Kapitel der Selbstüberhebung. Was das Kulturradio braucht, ist eine Konzentration der Kräfte: eine starke, überall empfangbare Frequenz, ein scharfkantiges Angebot, das nicht mit dem Rücken zum Publikum ausgearbeitet ist. Ein Kulturradio, das den Stolz der Redakteure ausstrahlt, diese Kulturregion zum Berichtsfeld zu haben. Ein Programm, das nicht glaubt, es habe alles richtig gemacht, wenn jede seiner Sendungen ihr 25jähriges Jubiläum gefeiert hat. Was fehlen darf: Hektiker an Programm- und Senderspitze, in allen ungeraden Jahren von Reformitis befallen. Die Zukunft beim Kulturradio muss nicht fürchterlich sein.

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