Rainer Zepperitz : Geisteskopf

Zum Tod des Berliner Bassisten Rainer Zepperitz.

Sybill mahlke
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Foto: privat

Er war musikalisch wie optisch ein führender Kopf der Berliner Philharmoniker. Vom Publikum aus gesehen der unverwechselbare Rechtsaußen im philharmonischen Rund von 1957 bis 1995: Solobassist Rainer Zepperitz. Ein Geisteskopf unter den Kontrabassisten, deren Gruppe er seit 1951 angehört, bis er sich zum Solisten qualifiziert. Als er nach ersten Engagements in Düsseldorf und Bonn nach Berlin kommt, ist er zunächst überwältigt von „der Dynamik, die dieses Orchester unter Furtwängler artikulierte“, hält später aber die Wahl Karajans für die ideale Fortsetzung der vergangenen Ära, gewissen Schwierigkeiten zum Trotz. Auch Claudio Abbado, den dritten Chefdirigenten seiner Laufbahn, favorisiert er als die beste Wahl, liebt besonders dessen Brahms. Zepperitz ist von 1966 bis 1978 sowie später nochmals Orchestervorstand, und sein heutiger Amtsnachfolger Andreas Wittmann weiß, was die Kollegen ihm verdanken.

Zepperitz wurde in Bandung (Java) geboren, wohin die Weltwirtschaftskrise seinen Vater als Bandleader getrieben hatte. Die Familie gelangt nach Düsseldorf, wo der Sohn in dem dortigen Kontrabassisten seinen idealen Lehrer findet.

38 Jahre Solobass. Er bevorzugt im Orchester ein fünfsaitiges Instrument mit „großem, breitem Klang“, während er Kammermusik gern auf einem älteren, zierlicheren Viersaiter spielt. Kammermusik ist Teil seines Lebens. Er hat im Oktett noch zusammen mit Hindemith musiziert, gehört der Kammermusikvereinigung der Philharmoniker an und engagiert sich, neue Ensembles zu gründen.

Seit 1958 unterrichtete er als Professor an der Musikhochschule Berlin, war engagierter Pädagoge, und sein Ruf hallt von Madrid bis Tokio, wo es von „Zepperitzen“ wimmelt. Natürlich trägt zu dieser Breitenwirkung bei, dass die Berliner ein Reiseorchester sind. Wer da mitgefahren ist, durfte davon profitieren, dass Zepperitz sich auskannte und selbst um das Wohlergehen journalistischer Gäste besorgt war. Neben der Musik gehörte seine große Leidenschaft dem Theater.

Am 23. Dezember ist Rainer Zepperitz, wie erst jetzt bekannt wurde, im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben. Sybill mahlke

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