Rapper BRKN in Berlin : King Kotti ist ein Rohdiamant

Hip-Hop aus Berlin: Der Rapper und Soulmusiker BRKN spielt im Kreuzberger Bi Nuu ein umjubeltes Konzert.

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Funky. BRKN, 26, hat Architektur studiert, macht aber lieber Musik.
Funky. BRKN, 26, hat Architektur studiert, macht aber lieber Musik.Foto: Ferhat Topal

Wo ist denn jetzt die Posse von BRKN, wo sind seine Jungs vom Kotti? In der Nummer „Hollywood“ vom letztjährigen, so schönen wie musikalisch überraschenden Album „Kauft meine Liebe!“ hat er den Rumhänge-Kumpels seiner Kreuzberger Kindheit doch so ein fluffiges Denkmal gesetzt. Und nun sehen die Leute am Donnerstagabend im ausverkauften Bi Nuu alle wie wohlerzogene Studis aus Charlottenburg aus!

So muss das wohl sein, wenn ein Hip-Hopper trotz Goldkettchen und Dicka-Alta-Slang keinen harten Gangsta-Rap macht, sondern die Beats und Reime mit Funk und Soul mischt und die Leute nicht nur zum Hüpfen, sondern sogar zum Mitsingen mehrerer Strophen auffordert. Kurz: Der Mann ist zu lieb, seine Musik zu melodiös und seine Texte sind viel selbstironischer, als es die bescheuerte, die Vokale kappende Schreibweise des Namens Berkan vermuten lässt.

Den King of Kotti mimt der 1991 als Sohn türkisch-armenisch-kurdischer Akademikereltern geborene Andac Berkan Akbiyi trotzdem frohgemut. Und auch wenn sein jüngstes Album „Einzimmervilla“ in Balladen wie „Auf der Stelle“ melancholischere Töne anschlägt, ist BRKN ein ziemlicher Partymeister. Berauscht von seiner Solotour, die den studierten Architekten, der im Brotberuf immer noch in einer Werbeagentur jobbt, tanzt er über die Bühne. „Vor drei Jahren waren hier bei meinen Auftritt keine hundert Leute und jetzt sind 550 da!“ Und die können die Texte seiner Hits „Auto“, „Macht nichts“ und den am Ende der Zweistundenshow erklingenden Titeltrack „Ein Zimmer“ auswendig.

Immer wieder setzt sich der von DJ Cratzmeister Calle flankierte BRKN ans Klavier, ab und zu stößt er ins Saxofon und nach dem Kommando „Dancebreak“ erweist er seinen musikalischen Helden von James Brown über R. Kelly und Michael Jackson bis zu Outcast eine Anspiel- oder Absing-Referenz.

Diese Einlagen sind funky und zeigen, was BRKN auszeichnet: Er ist mehr als nur ein „Spoken Word“-Mann, der den Flow beherrscht, er ist ein Vollblutmusiker, der singen kann. Und er hat einen Sinn für eingängige Nummern, die in Form und Inhalt an die Glanzzeiten des deutschen Hip-Hops der Neunziger à la Fanta 4 und Fettes Brot erinnern.

Nun fehlt zum großen Durchbruch des guten Kreuzberger Jungen nur noch die richtige Marketingstrategie, die er im Song „Promo“ so auf die Schippe nimmt: „Mein PR-Typ sagt, die Musik geht klar, doch was Werbung angeht, bist du ein Rohdiamant/ Können wir dich in Abschiebehaft bringen oder würdest du dich anschießen lassen?“ Dem Jubel nach braucht es diese krassen Manöver nicht.

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