Kultur : Raritäten im Filmmuseum Potsdam

Jan Gympel

Zehn Jahre Mauerfall - das können Sie nicht mehr hören? Verständlich, aber schade in wenigstens einem Fall. Mit Deutschland - Endstation Ost hat das Filmmuseum Potsdam nämlich eine besondere Rarität ausgegraben: 1964 war es dem Flamen Frans Buyens durch Fürsprache des berühmten Dokumentaristen Joris Ivens als erstem westlichen Filmemacher gestattet worden, die DDR zu bereisen und weitgehend unbehindert Gespräche mit Ostdeutschen zu führen. Doch obwohl der Regisseur ein Sympathisant des SED-Staates war, in dem es damals zudem gerade ein wenig liberaler zuging, fiel das zusammen mit Hans Leupold gestaltete Ergebnis ganz und gar nicht nach dem Geschmack der Machthaber aus; nur ein einziges Mal soll der Film gezeigt worden sein - wie übrigens auch in der Bundesrepublik, wo man sich seinerzeit an der zu positiven Darstellung der DDR stieß und das Werk später wohl einfach in Vergessenheit geriet. In Potsdam läuft es heute in Anwesenheit von Buyens, sowie am Sonnabend und Sonntag.

Vor allem des West-Berlins der Mauerjahre nimmt sich die Retrospektive Berlin oder das Auge des Wirbelsturms im Arsenal an: Für rund zehn Tage läßt sie Revue passieren, was Gäste des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren von der Stadt auf Film und Video gebannt haben. Eröffnet wird die Reihe am Montag mit Dan Eisenbergs Persistance, der Aufnahmen aus dem Berlin der Jahre 1991/92 mit Material vereint, das Kameraleute der US-Armee 1945/46 drehten. Der Regisseur wird anwesend sein.

Peter Greenaway gehört zu jenen Regisseuren, deren Anwesenheit meist als ebenso faszinierend wie erdrückend empfunden wird - der intellektuelle Magier liebt Satzkaskaden von geradezu tödlicher Druckreife. Seine Filme aber, einst ebenso bezwingend wie ihr Erfinder, haben in den letzten Jahren gelitten: Auch die hartnäckigsten Greenaway-Fans können mit der arg fleischlichen Leere seiner neueren Kopfgeburten nicht mehr viel anfangen. Der Weg des Bilderdenkers Greenaway in die opulente Opern-Illustration war da wohl ein vorgezeichneter Ausweg. Seine Visualisierung von Darius Milhauds Skandal-Oper Christophe Colomb hat der Lindenoper zumindest viel Publicity und Massenaufläufe an den Kassen beschert. Wer damals nicht reinkam, hat jetzt wieder eine Chance.Ab Sonnabend, sechs Vorstellungen

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