Kultur : Raumpatrouille Berlion

Bodo Mrozek entdeckt eine außerirdische Zivilisation

Bodo Mrozek

Es begab sich an einem verregneten Augusttag im Jahre 1995, als ein junger Berliner namens Hardy Krause nördlich vom Alexanderplatz durch einen Bauschacht schlenderte. Plötzlich stieß er sich schmerzhaft den Fuß an einem Stück Schrott. Verärgert trat Krause danach, da erregte ein Aufblitzen sein Interesse. Bei näherer Betrachtung des violett schimmernden Metalls fielen ihm gravierte Schriftzeichen auf: „c-base project – be future compatible“.

Im Labor konnte ein befreundeter Radiochemiker das unbekannte Objekt mit der Radiocarbon-Methode auf mindestens 100000 Jahre datieren. Es konnte also nicht menschlichen Ursprungs sein! Weitere Grabungsfunde förderten Artefakte aus unbekannten Materialien, Computerfragmente und Raumschiffteile zu Tage. Die Sache nahm größere Dimensionen an: Wurde Berlin womöglich von Außerirdischen errichtet?

Indizien für die extraterrestrische Herkunft mancher Berliner kann man schließlich bei fast jeder U-Bahnfahrt sammeln, und was sich in den Mitte-Clubs so einfindet, wirkt auch nicht immer irdisch. Krause und seine Freunde fügten die Stücke am Fundort zusammen und rekonstruierten aus ihnen das Raumschiff so, wie es in ferner Zukunft einmal ausgesehen haben könnte. Aus blinkenden Dioden entstand ein experimenteller Raum, halb Club, halb Internetcafé.

Die C-Base in der Rungestraße 20 (Mitte) ist seitdem Treffpunkt für Hacker, Netzwerker und Kryptologen aller Galaxien, Bar und Mischpult gibt es auch. DJs und Musiker erschaffen dort experimentelle Soundlandschaften. Anlässlich der Tagung der Vereinigung Wizards of OS, die am Wochenende über Digitalisierung diskutiert, legt im Kongresszentrum am Alexanderplatz heute Bjoern Hartmann auf, Designer des Internet-Labels textone.org und Kämpfer für freien Musiktausch im Netz. Um 20 Uhr öffnet sich auch die C-Base den Internetenzyklopäden, am Samstag wird dort ab 22 Uhr gefeiert. An diesem Wochenende kann man also alles Irdische hinter sich lassen. Denn von der C-Base aus betrachtet ist ganz Berlin in Wahrheit ein Raumschiff, und der Fernsehturm nur seine Antenne.

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