Reaktionen : Es möge grünen

Reaktionen auf das Schloss-Moratorium

HERMANN PARZINGER,

Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz:



Ich bedaure sehr, dass es zu einer beträchtlichen Entschleunigung bei der Realisierung des derzeit bedeutendsten kulturpolitischen Projekts in Deutschland kommen wird. Es ist jedoch zu begrüßen, dass sich die Bundesregierung sogar in dieser finanziell schwierigen Zeit weiterhin klar zum Humboldt-Forum bekennt. (...) Die SPK wird prüfen müssen, welche Auswirkungen die Entscheidung für die in Dahlem untergebrachten Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst hat, da sich deren Umzug auf den Schlossplatz erheblich verschieben wird. Es wird umgehend zu klären sein, in welcher Weise nun bauliche Sicherungsmaßnahmen einzuleiten sind. Die bisherigen Vorarbeiten zum Humboldt-Forum kosteten bereits nicht unerhebliche Summen, die Verschiebung verschlingt nun weitere Mittel, denn in Dahlem müssen jetzt die wichtigsten Sanierungsmaßnahmen eingeleitet werden. Ob man bei alldem von Sparen sprechen kann, weiß ich nicht.

BERND NEUMANN,

Kulturstaatsminister (CDU):

Dass es keine Kürzungen bei Kultureinrichtungen und Kulturprojekten 2011 geben wird, unterstreicht den Stellenwert, den das Bundeskabinett der Kultur beimisst. Dies ist eine Bestätigung für die Kulturpolitik des Bundes. Im Hinblick auf die dramatische Finanzlage war die Verschiebung des Baubeginns des Schlosses auf 2014 alternativlos. Es sind im Haushalt des Bundesbauministeriums für die mittelfristige Finanzplanung verbindlich Mittel eingestellt, so dass der Wiederaufbau des Schlosses nicht auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

KLAUS WOWEREIT,


Berlins Regierender Bürgermeister (SPD):

Die Verschiebung bis mindestens 2014 bedeutet, dass die Zukunft dieses wichtigen Projekts völlig ungewiss ist. Sie bedeutet aber auch eine erneute persönliche Niederlage für Bundeskanzlerin Angela Merkel, die das Projekt bisher ebenso wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann unterstützt hatte. Jetzt stellt Schwarz-Gelb die mit großer Mehrheit gefassten Beschlüsse des Bundestages infrage, denen jahrelange öffentliche Debatten über die angemessene Gestaltung der Berliner Mitte vorausgegangen waren.

ANDRÉ SCHMITZ,

Berlins Kulturstaatssekretär (SPD):

Damit ist finanziell nichts gewonnen, im Gegenteil. Der Bund wird jetzt mehr Geld in Dahlem investieren müssen, das ist reine Symbolpolitik. Die gute Nachricht ist das deutliche Bekenntnis der Bundesregierung zum Humboldt-Forum. Berlin erwartet, dass der Bund zu diesem Bekenntnis auch steht. Eine erneute Verschiebung darf es nicht geben.

PETRA PAU, Die Linke, Berlin:

Meine Schloss-Wette gilt: Der Palast der Republik wurde abgeräumt. Und die Schloss-Attrappe kommt nicht. Gewonnen haben Ideologen. Verloren hat Berlin. Bleibt ein Rasen für alle inmitten Berlins. Er möge grünen.

HEINTJE,
in einem alten Schlager:

Ich bau dir ein Schloss/so wie im Märchen,/da wohn ich mit dir/dann ganz allein./Ich bau dir ein Schloss,/wenn ich einst groß bin, /da kannst du dann froh /und glücklich sein.

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