Rechteverwertung : Gema fordert 1000 Prozent mehr Geld

15.04.2012 21:49 Uhr
  • Der Song "Fußball ist unser Leben" begleitete die Fußball-WM von 1974, die bekanntlich mit dem Titelgewinn der deutschen Nationalelf endete. Das Lied spielt nun eine zentrale Rolle in einer neuen Plakat-Kampagne der GEMA mit dem Titel "Musik ist uns was wert". Foto: Promo
    Der Song "Fußball ist unser Leben" begleitete die Fußball-WM von 1974, die bekanntlich mit dem Titelgewinn der deutschen Nationalelf endete. Das Lied spielt nun eine zentrale Rolle... - Foto: Promo
  • Mit der bundesweiten Aktion will die Gema die Leistungen der 65000 Texdichter und Komponisten, die durch sie vertreten sind, vermehrt ins Rampenlicht stellen. Die Gema selbst will bei der Kampagne  im Hintergrund bleiben. Foto: Promo
    Mit der bundesweiten Aktion will die Gema die Leistungen der 65000 Texdichter und Komponisten, die durch sie vertreten sind, vermehrt ins Rampenlicht stellen. Die Gema selbst will... - Foto: Promo
  • Die Organisation muss sich durchaus selbst zunehmend gegen das Image der Evolutionsbremse wehren. Daher kommt auch der Zeitpunkt der Kampagne von nicht von ungefähr. In gut zwei Wochen wird das Urteil des Landesgerichts Hamburgs im Gerichtsstreit zwischen der Gema und der Internet-Plattform Youtube erwartet. Foto: Promo
    Die Organisation muss sich durchaus selbst zunehmend gegen das Image der Evolutionsbremse wehren. Daher kommt auch der Zeitpunkt der Kampagne von nicht von ungefähr. In gut zwei... - Foto: Promo

Eine "Verarmung der Veranstaltungskultur" befürchtet die Bundesvereinigung der Musikveranstalter angesichts neuer und oftmals höherer Tarife der Verwertungsgesellschaft Gema.

Die Folge der steigenden Kosten ab Januar 2013 seien deutlich weniger Musikveranstaltungen, sagte Stephan Büttner, Geschäftsführer der Vereinigung. Viele Diskotheken seien bei teils extremen Steigerungen in ihrer Existenz gefährdet.

Die Gema wandte ein, dass für 60 Prozent der Musikveranstaltungen keine höheren Gebühren anfallen oder diese sogar sinken würden. Insbesondere kleinere Veranstaltungen würden profitieren. Büttner verwies hingegen darauf, dass sich für Diskotheken die Gema-Gebühr durchschnittlich um 400 bis 500 Prozent, in einigen Fällen sogar um mehr als 1000 Prozent erhöhe.

Als Beispiel nannte er eine an zehn Tagen im Monat geöffnete Disko mit 300 Quadratmetern Fläche und einem Eintrittspreis von 15 Euro.

„Eine solche Diskothek zahlt derzeit etwa 10 000 Euro pro Jahr. Nach der neuen Tarifstruktur werden es rund 130 000 Euro sein. Das entspricht einer Steigerung von 1200 Prozent.“ Die Gema hatte angekündigt, ab Januar 2013 ihre Tarifstruktur zu ändern. Statt wie bisher elf Tarife sollen künftig nur noch zwei gelten, je nachdem, ob auf einer Veranstaltung Livemusik gespielt wird oder eine sogenannte Tonträgerwiedergabe stattfindet. Für die Berechnung sind nur noch zwei Angaben ausschlaggebend: Die Höhe des Eintrittsgeldes und die Größe der Veranstaltung. „Die Vereinfachung wurde von den Musiknutzern in der Vergangenheit vielfach gewünscht“, sagte Gema-Sprecher Peter Hempel. Die exorbitanten Erhöhungen für Diskotheken räumte er ein: Wer künftig 500 Prozent mehr abführe, habe in der Vergangenheit eben auch „500 Prozent zu wenig bezahlt“, sagte Hempel. Für eintrittsfreie Veranstaltungen auf einer Fläche bis 100 Quadratmetern ergäben sich jedoch keine Veränderungen. Wie viele Musikveranstaltungen künftig sogar weniger bezahlen müssen, sagte die Gema auf Nachfrage allerdings nicht.

Die Bundesvereinigung der Musikveranstalter hält das Argument, die Tarife vereinfachen zu wollen, für einen Vorwand, um Erhöhungen durchzusetzen. „Die Gema nutzt ihre Monopolstellung aus“, klagte Büttner. An eine Entlastung kleinerer Veranstaltungen mag er nicht glauben. Rechtliche Schritte gegen die neuen Tarife schließt er nicht aus. „Wir prüfen alle juristischen und politischen Möglichkeiten.“ Die Gema hingegen betrachtet sich als die Bewahrerin der Urheberinteressen. Für diese will sie nun mit einer Imagekampagne werben. Ab Dienstag soll in 14 Städten mit Plakaten unter dem Motto „Musik ist uns was wert“ auf die Leistungen von Komponisten und Textern aufmerksam gemacht werden. (dapd)

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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