Kultur : Reggae: Wort zum Sonntag

Hans von Seggern

Schwarze Vernunft, hüpfende Beats, wabernde Bässe, fliegende Echos - unter Anleitung einer siebenköpfigen Band geht die Reise im ausverkauften und völlig überfüllten Kesselhaus in das Land des Dub-Reggae. Eine Erscheinung von erlesener Eleganz betritt die Bühne: Schlanker, silbergrauer Anzug, ein Hemd in zartem Rosé, rote Krawatte - so steht der Meister der Dub-Poesie Linton Kwesi Johnson auf der Bühne. Doch in der Kulturbrauerei ist von neudeutscher Spaßgesellschaft heute abend keine Spur: Dieser Mann hat eine Mission. Und die Farbe seiner message ist so dunkelrot wie sein Schlips. Etwas steif und lehrerhaft fasst Johnson die Botschaften seiner Songs in den Pausen zusammen. Es geht gegen die Ausbeutung in der new economy, gegen die Barbarei der sogenannten ethnic cleansings und immer wieder gegen den alltäglichen Rassismus der britischen Polizei. Johnson, 1952 in Jamaica geboren und im Londoner Stadtteil Brixton aufgewachsen, schloss sich noch vor Beginn seines Soziologiestudiums einem britischen Arm der Black Panthers an, für die er Lyrik-Workshops organisierte. Seine ersten fünf Platten, zwischen 1978 und 1984 aufgenommen, gehören zum Schönsten, was der Reggae hervorgebracht hat. Respekt hat er vor der Lehre der Rastas von der Rückkehr nach Afrika, gleichwohl ist ihm diese zu verquast. Er bevorzugt das klare politische Wort. Und so singt Johnson 2000 vom Ende der Einparteien-Herrschaft im ehemals kommunistischen Osten: "Honecker - he had to go! Ceausescu - he had to go! Like Apartheid had to go!". Er reimt "new century" auf "new technology", plädiert für die 32-Stunden-Woche und mehr Verteilungsgerechtigkeit. "Mad Professor" nennt sich einer seiner Dub-Kollegen. Linton Kwesi Johnson ist der Professor der schwarzen Vernunft.

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