Kultur : Reise zum ostpreußischen Heldengedenken

ARCHITEKTUR

Falk Jaeger

Lange Gesichter gab es, als die Kommission die Umschläge öffnete. Es waren Architekten aus Deutschland, die den Wettbewerb für das Mausoleum des türkischen Staatsgründers Kemal Atatürk gewonnen hatten. Die 1942 siegreichen Architekten waren die Berliner Walter (1888-1971) und Johannes Krüger (1890-1975), bekannt geworden durch den Bau des Tannenbergdenkmals in der Nähe des ostpreußischen Allenstein. Die achteckige Trutzburg mit acht Wehrtürmen, die an Stonehenge ebenso erinnert wie an Deutschordensburgen oder an Castel del Monte, eignete sich als werbewirksame Vignette auf dem Briefkopf des Architekturbüros. Im „Dritten Reich“ wurde dieses größte Kriegerdenkmal zur Hindenburg-Gedenkstätte umgewidmet.

In ihrer Reihe über bedeutende Berliner Architekten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts präsentiert die Kunstbibliothek eine Werksausstellung, die ein fast sechs Jahrzehnte umfassendes Arbeitsleben umfasst und anhand der Arbeiten aus einem Büro die Abfolge der Architekturstile und Moden des Zeitabschnitts vor Augen führt (Kunstbibliothek am Kemperplatz, bis 9. Mai, Katalog 15 €).

Die Brüder Krüger hatten bis dahin durchaus im Geist der Neuen Sachlichkeit gebaut. Ein Beispiel ist die Holtzendorff-Garage (1929) in Charlottenburg, eine funktional und ästhetisch überzeugende Anlage. Auch das Freibad Plötzensee entstand 1927 in diesem Stil. Die Wende zur Architektur des „Tausendjährigen Reichs“ haben die beiden verhältnismäßig geschmeidig vollzogen. Albert Speer bedachte sie mit Aufträgen, darunter die spanische Botschaft im Tiergarten in schwerem Neoklassizismus, und sie erhielten die Ehrenprofessorenwürde.

Nach dem Krieg baute Walter Krüger einige Kirchen wieder auf, darunter die Dorfkirche Schöneberg und die ursprünglich von ihm selbst entworfene St. Johanneskirche in Frohnau. Johannes Krüger widmete sich dem Bürobau und errichtete mehrere Geldinstitute im Bankenviertel Westberlins, etwa die Deutsche Hypothekenbank an der Fasanenstraße/Ecke Hardenbergstraße, die Handelsbank oder die Berliner Zentralbank an der Bismarckstraße/ Ecke Leibnizstraße, allesamt in einem etwas unentschiedenen Modernismus. Auch im Wohnungsbau betätigten sich die Brüder Krüger und hatten somit beachtlichen Anteil am Westberliner Wiederaufbau der Fünfzigerjahre.

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