Kultur : Rentenreform: "Eine deutliche Verbesserung für junge Arbeitnehmer"

Die rot-grüne Koalition hat den von Arbeitsmi

Bert Rürup (57) ist Rentenberater der Regierung und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Die rot-grüne Koalition hat den von Arbeitsminister Walter Riester vorgeschlagenen Ausgleichsfaktor bei der Rente gekippt - wie bewerten Sie die Entscheidung?

Nachdem der Faktor von allen Sachverständigen abgelehnt wurde, zeigt sich die Koalition als lernfähig. Der Ausgleichsfaktor hätte eine Legitimation gehabt, wenn es ein Obligatorium gegeben hätte. Dann wären die Leistungsrücknahmen durch die staatlich geförderte Privatvorsorge für alle Jahrgänge kompensiert worden. Da das nicht der Fall ist, hätte der Ausgleichsfaktor zu einer ungerechten Verteilung der unvermeidlichen Konsolidierungslasten geführt.

Ist das eine Niederlage für Riester?

Das kommt drauf an. Innerhab des Rentenkonzeptes spielt der Ausgleichsfaktor nur eine geringe Rolle. Er bestimmt nur das zeitliche Profil der Belastungen. Das gesamte Sparvolumen wird durch die neue Rentenformel nicht verändert, nur zeitlich anders verteilt - und es wird auf mehr Schultern verteilt. Die beiden essenziellen Reformziele - den Beitragssatz langfristig unter 20 beziehungsweise 22 Prozent zu halten und das Umlagesystem durch ein kapitalgedecktes System zu ergänzen - sind davon nicht berührt. Es geht nur um die Frage, wer die Konsolidierungslasten tragen soll.

Werden jetzt die älteren Arbeitnehmer stärker belastet, als bisher geplant?

Die jüngeren Rentner werden stärker belastet und damit auch die älteren Arbeitnehmer über 55, wenn sie in Rente gehen. Denn die neue Formel soll ja auch - wie der Ausgleichsfaktor - erst ab 2011 gelten - also ändert sich für die Rentner in den nächsten zehn Jahren nichts. Für die Zeit danach wird dann nicht nur der Neuzugang belastet, sondern auch der Bestand der Rentner.

Ist das Einlenken also ein Eingeständnis an die jüngeren Arbeitnehmer?

Ja, deren Rentenniveau sinkt nicht so stark ab wie ursprünglich geplant. Und da die Beitragshöhe sich nicht verändert, verbessert sich für die Jüngeren das Preis-Leistungs-Verhältnis der Rente. Wenn man außerdem bedenkt, dass eigentlich nur die Jüngeren in den Genuss der staatlich geförderten Privatvorsorge kommen, ist das neue Konzept eine deutliche Verbesserung der Position der jüngeren Arbeitnehmer.

Arbeitgeberpräsident Hundt hat gefordert, das Rentenniveau gar auf 62 Prozent zu senken und den Rentenbeitrag dauerhaft auf 20 Prozent zu begrenzen. Was halten Sie davon?

Das geht in der Form nicht. Wenn der Beitrag bei 20 Prozent eingefroren wird, müsste das Rentenniveau deutlich unter 60 Prozent absinken. Es sei denn, die Altersgrenze für die Rente wird angehoben.

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