• RETRO-ACTION VON QUENTIN TARANTINO„Death Proof – Todsicher“: Wer bremst, verliert

RETRO-ACTION VON QUENTIN TARANTINO„Death Proof – Todsicher“ : Wer bremst, verliert

Julian Hanich

Wieder einmal öffnet Quentin Tarantino die Pulp-Schublade der Filmgeschichte. Wieder einmal zieht er ein obskures Schund-Genre heraus. Und wieder einmal wird sein ganz eigenes Ding daraus. Auch wenn er die Heiße-Frauen-am-Steuer-Filme der siebziger Jahre auffrisiert, lädt er uns doch ein in seine bewährte Welt der Musiksamplings, des Fußfetischismus, der ästhetisierten Gewalt, der afroamerikanischen Coolness, der Filmzitate und der geschliffenen Dialoge voller Popkulturverweise. Anders als beim überambitionierten Zitatenkästchen „Kill Bill“ bleibt sein postmodernes Oberflächenkino dieses Mal auf dem Boden: Angemessenen klein und schmutzig feiert Tarantino nichts weiter als die Virtuosität des Tarantino-Kinos.

Der PS-vernarrte Stuntman Mike (Kurt Russell) schleicht sich wie eine Klapperschlange an Gruppen weiblicher Opfer heran. In Bars umkreist er langbeinige Mädels, becirct sie mit seiner Raspelstimme und beißt dann zu. Wenn sie mit ihren Autos auf die Landstraße einbiegen, bringt er seinen schwarzen Dodge auf Hochtouren. Dann ist auf dem Highway die Hölle los. In einem perversen Akt der Auto-Erotik werden die Frauen von seinem harten Geschoss zur Strecke gebracht. Im Englischen bezeichnet der Ausdruck „hot rod“ ja nicht nur eine hochgetunte Karosse, sondern auch einen erigierten Penis. Diese Doppeldeutigkeit lässt sich Tarantino nicht entgehen. Wenn Mikes Auto das weibliche Gefährt penetriert, ist das eine symbolische Vergewaltigungsszene von markerschütternder Wucht.

Diese Actionmomente gehören zum Besten, was man in dieser Hinsicht seit langem gesehen hat. Mit grimmigem Ernst zelebriert Tarantino ein fulminantes Virtuosentum, das voller Verachtung steckt für computer-animierte Action. Sein Retro-Kino will zurück zum Wahren und Echten der alten Stuntman-Schule. Hier zerreißt es richtiges Metall, bersten echte Windschutzscheiben, riskieren lebendige Menschen Kopf und Kragen - allen voran die sich selbst spielende Stuntfrau Zoë Bell (Foto, vorn). Die Rechnung geht auf: Dieses analoge Kino rüttelt den Zuschauer in einem Maß durch, wie es digitale Binärcodes nie und nimmer schaffen. Wenn Tarantinos Stuntfrauen das Gaspedal durchdrücken, pumpen in den Adern der Zuschauer die Adrenalinfontänen. Grandioses Vergnügen. Julian Hanich

„Death Proof – Todsicher“, USA 2007, 113 Min., R: Quentin Tarantino, D: Kurt Russell, Rosario Dawson, Zoë Bell, Sydney Tamiia Poitier, Tracie Thoms

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