Kultur : Rettet das Schloss!

Die Stiftung Kulturfonds wird aufgelöst. Und was wird aus den Künstlerhäusern in Wiepersdorf und Ahrenshoop?

Jörg Plath

Eine schlechte Nachricht, nicht nur für Künstler: Die Stiftung Kulturfonds befindet sich seit Anfang des Jahres in Auflösung. Betroffen sind davon das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf und das Haus Lukas in Ahrenshoop, die beide von der Stiftung getragen werden. Die gute Nachricht: Beide müssen voraussichtlich dennoch nicht geschlossen werden. Ob freilich Brechtscher Gleichmut am Platz ist und sich alles nur ändert, damit es bleibt, wie es ist? Das Porzellan, das der Duodezförderalismus mal wieder zu zerschlagen droht, ist kostbar: Allein Wiepersdorf beherbergte im letzten Jahr Autoren wie Thomas Brussig, Juri Andruchowitsch und Ulrike Draesner.

Happy End in Mecklenburg

Die anfangs von den neuen Bundesländern und Berlin getragene Stiftung Kulturfonds ist im bundesdeutschen Förderalismus eine ungewöhnliche Einrichtung. Im September 1990 gründete sie der letzte DDRKulturminister, Herbert Schirmer, als Nachfolgeeinrichtung des DDR–Kulturfonds. Weil es den „Kulturgroschen“ von fünf Pfennig, der auf jede Eintrittskarte aufgeschlagen wurde und dem Fonds zur Künstlerförderung zufloss, nach der Vereinigung nicht mehr geben sollte, erhielt die Stiftung 92 Millionen Mark von der PDS als Vermögen, dazu die Häuser in Ahrenshoop und Wiepersdorf.

Damit waren bundesweit einzigartige Voraussetzungen geschaffen, um mit den Erträgen des Kapitals zeitgenössische Kunst aller Sparten aus den sechs Ländern fördern zu können. Insbesondere das ehemalige ArnimSchloss Wiepersdorf erfreute sich schon bald bester Reputation. Inzwischen schicken auch Österreich und die Schweiz auf eigene Kosten Stipendiaten in die Mark. Und das mecklenburgische Ahrenshoop beherbergt auch Gäste aus den Anrainerstaaten der Ostsee.

Bald jedoch zeigten sich die Mängel der Konstruktion. Die alten Bundesländer hatten der Stiftung nicht beitreten wollen, während in den neuen die zentrifugalen Kräfte zunahmen. Genährt wurden sie wahrscheinlich vom Lokalpatriotismus und vom Unbehagen über die Mitgliedschaft in einer noch aus der DDR stammenden Institution. Die Thüringer Pressesprecherin Ute Lemke moniert zudem die internationale Herkunft vieler Stipendiaten. Erwünscht ist offenbar, dass mehr Landeskinder gefördert werden. Nicht zuletzt stiegen die Begehrlichkeiten: Das Vermögen des Kulturfonds ist verlockend, zumal der Stiftungsvertrag den Ländern die Kündigung gestattet – und zwar unter Mitnahme eines Vermögensanteils, den sie nie einbezahlt haben. 1997 scherte Sachsen aus und gründete mit „seinem“ Anteil von rund 15 Millionen Euro eine Landeskulturstiftung. Anfang 2003 folgte Sachsen-Anhalt, danach Thüringen. Der Kulturfonds stand vor dem Aus.

Landsitz in Brandenburg

Alle Bemühungen seines Leiters Dietger Pforte konzentrieren sich seitdem auf den Erhalt der beiden ältesten deutschen Künstlerhäuser. Kulturstaatsministerin Christina Weiss wollte sie mit der Fusion von Bundeskulturstiftung und Kulturstiftungen der Länder übernehmen. Als Bayern die Verhandlungen im Dezember jedoch platzen ließ, begann man auf beiden Seiten, Zuständigkeiten zu entflechten. Nun müssen die Länderkulturstiftungen ohne das Geld des Bundes auskommen und können weder Ahrenshoop noch Wiepersdorf finanzieren. Der Bund verdoppelte zwar seinen Etat für die Künstlerförderung, er ist für die Häuser aber trotzdem nicht zuständig. Eine veritable Posse.

Derzeit sieht es trotzdem nach einem Happy End aus. In Mecklenburg-Vorpommern will man das Haus Lukas unbedingt weiterführen. Die Erträge aus dem Stiftungsanteil reichen knapp aus. Den Rest zum 200000 Euro-Etat soll Ahrenshoop beisteuern, eine der wenigen Kommunen der Region, die wirtschaftlich halbwegs gesund ist. In Brandenburg geht es um 855000 Euro für den Unterhalt und einen Teil der Stipendien von Wiepersdorf. Kulturstaatssekretär Christoph Helm hat „gute Gespräche“ mit dem Bund geführt, er sei auf „offene Ohren“ gestoßen. Die Verhandlungen laufen noch, Helm ist guten Mutes. Es ist nicht schwer zu erraten, welche Lösung avisiert wird: Noch in diesem Jahr wird die Berlin-Brandenburgische Akademie der Künste in die Zugehörigkeit des Bundes übergehen. Sie verwaltet bereits in Wewelsfleth einen von Günter Grass gestifteten Bauernhof für Literaturstipendiaten. Möglicherweise kommt Schloss Wiepersdorf also unter das gleiche Dach.

Die Anbindung an die Berlin-Brandenburgische Akademie wäre eine ideale Lösung. Wiepersdorf und Wewelsfleth ergänzen sich bestens, beide Institutionen besitzen internationales Renommee und ebensolche Kooperationspartner. Die stark auf die Hauptstadt ausgerichtete Akademie erhielte mit dem Schloss Wiepersdorf eine Verankerung, ja, einen repräsentativen Landsitz in Brandenburg. Die dortigen Stipendiaten befinden sich in der Regel in deutlich weniger fortgeschrittenem Alter als die Akademiemitglieder. Aber das muss bei der anstehenden Vitalisierung der ehrwürdigen Institution ja kein Nachteil sein.

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