Kultur : Rock: Stoff-Rüssel

Hagen Kohn

Wer unverbesserlich behauptet, alles sei schon einmal dagewesen und Musik bestünde heutzutage sowieso nur aus Plagiaten und Coverversionen, der kann sich in der Kalkscheune eines Besseren belehren lassen. Der New Yorker Sänger und Performer Howard Katz Fireheart bietet zusammen mit dem Berliner Pianisten Ari Benjamin Meyers unter dem Namen Toyz einen kleinen Vorgeschmack auf die erste CD des ungewöhnlichen Duos, die Ende des Jahres beim KOOK-Label erscheinen soll. Unterstützt von zwei jungen Musikern an Bass und Schlagzeug, betören sie ihr Publikum mit einer Mischung aus harmonisch schlichten Balladen, Prosa-Pop-Rezitativen und monumentalen Zeitlupensounds, rhythmisch verspielter straight-rock. Angereichert wird das Ganze von tänzerischen Einlagen des Frontman, mitunter im Duett mit einem Elefanten aus Stoff. Die Instrumentierung ergibt sich aus der genial-dilettantischen Symbiose unterschiedlichster "Spielzeuge": Gesang, Klavier, synthetische Streichersounds, Harmonium und eine solide groovende Rhythmusgruppe verbinden sich zu einem Sound jenseits aller abgedroschenen Kategorien. Wie die Musik, so lässt sich auch die sängerische Leistung des Mr Fireheart nur im Moment beschreiben: Mal rau und prägnant, mal lyrisch und zerbrechlich. Auch seine Körpersprache hat Fireheart irgendwo zwischen Tom Waits und Anthony Kiedis angesiedelt. Glatter Sound und technische Perfektion stehen hier jedenfalls nicht im Vordergrund, und das ist auch gut so. Enttäuschend an dem innovativen Abend lediglich: das nicht existierende Publikum. Also, runter vom Sofa und ab in die Kalkscheune (heute 23 Uhr, am 2./3. 9. jeweils um 20 Uhr 30)!

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