Romantische Komödie : Augen auf und durch

„Eine Insel namens Udo“: Kurt Krömers erster Kinofilm präsentiert Kurt Krömer light.

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Krömer ohne Brille. Bisher war Udo unsichtbar – doch nach einer Liebesnacht in der Campingabteilung steht er plötzlich in der Welt herum.
Krömer ohne Brille. Bisher war Udo unsichtbar – doch nach einer Liebesnacht in der Campingabteilung steht er plötzlich in der Welt...

Man muss zweimal hingucken, bevor man ihn erkennt in der allerersten Szene von „Eine Insel namens Udo“. Das passt natürlich, Kurt Krömer spielt ja einen, der für seine Mitmenschen unsichtbar ist wie Luft. Es ist der kleine fantastische Twist des Langfilmdebüts von Markus Sehr, dass die „Schwersichtbarkeit“ von Krömers Udo keine metaphorische ist – das heißt: irgendwie natürlich schon –, sondern dass der nerdige Stullenesser tatsächlich von niemandem beachtet wird, obwohl er da doch steht und geht und einen riesigen Fleck auf dem Hemd hat.

Aber klar, das ist er, nur ohne Dickrandbrille: Kurt Krömer, bürgerlich Alexander Bocjan, 36 Jahre alt, in Berlin weltbekannter Comedian aus Neukölln, Grimme-Preisträger 2011. Krömer, der nach fünf Jahren in der ARD seine „Internationale Show“ aufgegeben und sich dafür auf Tour durch die kleinen Clubs gemacht hat, alle ausverkauft.

„Der nackte Wahnsinn“ hieß seine Deutschlandtour, die im Oktober in die zweite Runde geht. Das Plakat dazu zeigt Krömer, nur mit Brille bekleidet. Und jetzt? Jetzt macht der mutige Kurt Krömer sich auch im Kino nackig. Es ist sein erster Film, nach zwei Theaterauftritten in Schaubühne und Volksbühne, aber da hat er nicht reingepasst, das fand Krömer selbst.

Udo trägt keine Brille, Udo ist deutlich zu erkennen, jedenfalls für den Kinozuschauer, ein überraschend glattes, weiches, verletzliches Gesicht, manchmal mit Helm, man wird oft angerempelt als Schwersichtbarer. Was Udo so den ganzen Tag macht, wird er einmal gefragt: „Unauffällig sein. In Taschen gucken.“ Er ist Kaufhausdetektiv, der perfekte Job für einen wie ihn.

Und eines Tages ist da Jasmin, gespielt von der höchst charmant konfusen Fritzi Haberlandt, und Jasmin kann Udo sehen, einfach so, inklusive Fleck auf dem Hemd. Natürlich findet sie ihn ein bisschen kauzig – „Singles in unserem Alter sind ja oft irgendwie kauzig“ – aber natürlich entwickelt sich trotzdem eine Liebesgeschichte zwischen den beiden. Und nach der ersten gemeinsamen Nacht ist Udo sichtbar! Für alle! Im Kaufhaus! Nackt! Weil er – kauzig eben – in einem Zelt in der Campingabteilung wohnt!

Ein hübsches, naja: ein witziges Bild ist das. Und es gibt durchaus noch einige weitere witzige Bilder und Szenen und Situationen und Sprüche in diesem Film mit dem unsäglichen Titel, schließlich muss Insel-Udo das Leben in der Welt erst noch lernen. Eine lustige Gelegenheit, Kurt Krömer in bescheuerte Outfits zu stecken, ihn blöde Begrüßungsgesten nachahmen zu lassen. Dazu kommen ein paar Fettnäpfchen, ein paar Missverständnisse, ein nicht geführtes klärendes Gespräch, die große Versöhnung. Romantische Komödie eben.

Aber apropos Romantik: Da laufen die Verliebten gewollt verrückt wie weiland Charlie Chaplin und Paulette Goddard auf Rollschuhen durchs nächtliche Kaufhaus, unterlegt von gefühlig-flotter Musik. Da erklärt Udo seiner Jasmin anhand eines gut getarnten Tintenfischs im örtlichen Aquarium, dass jener zwar unscheinbar, aber trotzdem ganzganz nett und schlau und sozial sei, dazu spielt gefühlig-getragene Musik. Emotion mit dem Samthammer! Da wirkt der Film plötzlich sehr angestrengt.

Sowieso: Warum muss diese Komödie eigentlich unbedingt eine Message haben, die dann auch noch so messagemäßig betont und ausgesprochen und illustriert werden muss? Warum muss die Moral so extremst leicht sichtbar sein? Warum muss am Ende Udos Kollegin, die Transe Amanda (Bernd Moss) durchs Kaufhausmikro „Ich bin anders – und das ist okay“ singen, worauf Udo sich selbst akzeptiert und alles gut wird? Och.

Kurt Krömer musste sich beim Dreh zurücknehmen, sagt er, und er wollte das auch: mal nicht Kurt Krömer spielen. Zuerst habe er „grobe Leberwurst“ angeboten, das war er gewohnt als Bühnenmensch. Regisseur Markus Sehr habe dann immer gesagt: Mach weniger! Das Ergebnis: „feine Teewurst“. Indem Krömer aber das Krömerhafte gestutzt wurde, erscheint sein Udo als Kauz ohne Eigenschaften. Zu schwach, um gegen das anzuspielen, was an Deko und platten Nebenfiguren um ihn herumgebaut ist.

Er sei keine Kunstfigur, die Witze erzählt, hat Krömer einmal gesagt. Er ist ein Clown. Kurt Krömer ist der Witz. Als Udo aber – ist er einfach nur Udo.

In 14 Berliner Kinos

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