• Romeo und Julia in Irland: Das National Youth Orchestra of Ireland im Berliner Konzerthaus

Kultur : Romeo und Julia in Irland: Das National Youth Orchestra of Ireland im Berliner Konzerthaus

Eckart Schwinger

Zum Schluss spielen die jungen irischen Musikanten in Riesenbesetzung Strawinskys "Le Sacre du Printemps" so vital und selbstverständlich, als sei das ihr tägliches Brot. Professionell nehmen sie das komplizierte Stück in Angriff nahmen, obwohl die Orchestermitglieder erst zwischen 18 und 23 Jahre alt sind. Prompt erntet das National Youth Orchestra of Ireland unter Leitung des chinesischen Dirigenten En Shao im Konzerthaus Begeisterung. Noch mehr in ihrem Element sind die Musiker bei den Sinfonischen Tänzen aus Leonard Bernsteins "West Side Story". Während bei Strawinskys "Frühlingsopfer" trotz des raumsprengenden Sounds das Farbspektrum zu eng wirkt, Klangmagie und Tiefenschärfe wenig ausgeprägt sind, lebt Bernsteins Bestseller von überströmender Farbintensität. Bei den aggressiven Szenen des von Rassismus, Gewalt und ungezügelter Lebenslust handelnden Romeo- und Julia-Musicals ist viel persönlich gefärbte Expressivität im Spiel. Unüberhörbar hat sich das Musical seine politische Aktualität bewahrt. Vor allem die heftig dahinfegenden Klangattacken der Bläser und Schlagwerker haben es in sich.

Gegenüber Bernstein und Strawinsky verblasst der landeseigene Beitrag der Iren. Die Sinfonietta des 1933 in Dublin geborenen Seoirse Bodley wirkt bei aller artifiziellen Faktur vor allem in den Ecksätzen geradezu langatmig. Ansprechend gerät nur der langsame Satz mit den originell zugespitzten, ein wenig geheimnisvoll akzentuierten Tuba-Soli. Aber auch bei Bodleys fast halbstündigem Auftragswerk gehen die Iren entschieden zur Sache. Amüsant und hintersinnig die vorangestellte Irland-Plauderei von Dominique Horwitz, dem Paten des Abends. Und das, obwohl er das Land nur vom Hörensagen kennt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben