Rosenstolz-Nachfolgeprojekte : Doch schöner war’s mit dir

Nach der Rosenstolz-Trennung: Peter Plate und AnNa R. bringen eigene Alben heraus. „Schüchtern ist mein Glück“ und „Bleibt das immer so“ im Vergleich

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Neustart. AnNa R. singt jetzt bei der Band Gleis 8.
Neustart. AnNa R. singt jetzt bei der Band Gleis 8.Foto: Universal

Es ist wie das vorsichtige Lavieren nach einem lautstarken Beziehungsaus. Kann man jetzt beide Separierten zum Essen einladen, oder gibt es Krach, Tränen, Scherben? Kann man mit beiden reden, oder ist man dann ein Verräterschwein? Und kann man überhaupt vergleichen, wie es beiden geht?

Auch nach einer 20-jährigen Musikpartnerschaft mitsamt regalweise Echos, Bambis und Cometen wird es eine Weile dauern, bis Peter Plate und AnNa R. als Solomusiker wahrgenommen werden. Vielleicht veröffentlichen sie ihre jeweils ersten Post-Rosenstolz-Alben darum trotzig fast zur gleichen Zeit: Der gemeinsame musikalische Hintergrund von Peter Plates „Schüchtern ist mein Glück“ und „Bleibt das immer so“ von AnNa R.s Band Gleis 8 lässt sich schlichtweg nicht ignorieren. Beide haben das Erlebnis geteilt, mit Popchansons und der unverfrorenen Annexion einer Schlager-Schlager-Dance-Melange verhältnismäßig cool auszusehen und nebenbei noch urbane Queerness auszustrahlen.

Aber allein machen sie dich ein. Der knapp 46-jährige Peter Plate klingt recht einsam auf seinem Album. Neben dem Text von „Schüchtern ist mein Glück“, das – wie alle anderen Songs der CD, wie überhaupt fast sämtliche Rosenstolz-Songs – Plates Händchen für Mitgrölrefrains in Waldbühnenpublikumsgröße beweist, zeigt das Booklet ein Foto, auf dem Plate ein trauriges Beaglehündchen anguckt. Auf dem Bild zu „Kapitän“ schaut Plate melancholisch in die Ferne, und dass es im Song „Tanz mit mir durch meine Panik“ heißt, hebt die Laune auch nicht merklich. Immerhin lächelt er auf dem Frontcover, wenn auch mit geschlossenen Augen. Vielleicht denkt er an vergangene Zeiten.

Peter Plate ist jetzt solo unterwegs.
Peter Plate ist jetzt solo unterwegs.Foto: Universal

Musikalisch bewegt sich Plate nicht weit weg von dem, wofür Rosenstolz standen: mit der Hilfe des bewährten Produzenten- und Autorenteams Ulf Leo Sommer und Daniel Faust ausgearbeitetes deutsches Schlagersongwriting mit einem starken inhaltlichen Akzent auf Befindlichkeiten. Dank elektronischer Hilfe und moderner Arrangements klingt dieser Schlagerpop nicht altmodisch, er hat zwischen Sehnsucht, Kitsch und Tanz einen ausgetretenen, aber beständigen Pfad gefunden. Schließlich sind die Stimmungen universal anwendbar, in denen man Texte wie „Doch schöner war’s mit dir / und schlauer bin ich meistens hinterher“ (aus „Schöner war’s mit dir“) oder „Und weil dieses Leben so schnell vergeht / werd ich dich jetzt küssen bis nichts mehr geht / Wir stehen noch, und so schnell haut uns nichts um“ (aus „Ich stehe noch“) hören möchte. Dass Plates Stimme zwar sympathisch, aber nicht mitreißend oder besonders präsent wirkt, schiebt die Songs noch stärker in Richtung Verlorenheit.

Konkret wird Plate auf seinem Soloalbum nur ein einziges Mal. In „Gefallen in Love“ geht es um eine verliebte Londonreise, der aufmerksame Rosenstolz-Fan hatte bereits in Plates letzten Interviews von einer Trennung und einem Burn-out erfahren, vielleicht folgte darauf ja ein Neuanfang. Weil die Mischung aus deutschem Text mit englischen Brocken charmant wirkt und die bildhaften Aussagen prägnant sind, funktioniert das anglophile Liebeslied prächtig.

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