Rostock entlässt Theater-Intendanten : Das endgültig Aus für Sewan Latchinian

Er kam hoch gelobt, verzankte sich mit dem Rathaus und Ministerium. Der streitbare Theater-Chef Sewan Latchinian muss nun gehen.

Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, ist fristlos entlassen worden.
Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, ist fristlos entlassen worden.Foto:AFP

Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, ist fristlos entlassen worden. Der Hauptausschuss der Bürgerschaft folgte am Montag einem entsprechenden Antrag der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09. Mit der Entlassung endet nach knapp zwei Jahren die Amtszeit des 55-Jährigen, die von Beginn an von Querelen und Streit gekennzeichnet war. Nachfolger soll der scheidende Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, Joachim Kümmritz, werden. Mit ihm sollen nun Vertragsverhandlungen geführt werden. Er soll für zwei Jahre angestellt werden.
Sewan Latchinian war mit reichlich Vorschusslorbeeren als Intendant des Rostocker Volkstheaters in die Spielzeit 2014/15 gestartet. So war die Neue Bühne in Senftenberg im Jahr 2005 in seiner Zeit als Intendant zum Theater des Jahres gewählt worden. Von 2007 an war er im Vorstand der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins, bis er 2014 aus Protest gegen einen Tarifabschluss austrat.
Doch rasch nach seinem Amtsantritt traten in Rostock erhebliche Konflikte zwischen Latchinian auf der einen und dem Kultusministerium und dem Rostocker Rathaus auf der anderen Seite auf. In Schwerin wurde zu dieser Zeit eine Theaterreform in Gang gebracht. Ziel dieser umstrittenen Reform ist die Fusion mehrerer Theater. In der Öffentlichkeit trat Latchinian stets als Verfechter eines starken Volkstheaters nicht nur mit allen vier Sparten auf, er wollte mit einer Bürger- und einer Puppenbühne auch noch zwei weitere Sparten aufbauen. Eines seiner zentralen Zitate war: „Wir trotzen dem Kulturabbau, der Barbarei und Kulturlosigkeit in der Politik.“ Anfang März 2015 verglich der 55-Jährige bei einer Demonstration die Theaterpolitik des Landes mit Kulturzerstörungen durch die Terrormiliz Islamischer Staat - die Kündigung folgte. Diese wurde zwar von der Bürgerschaft wieder aufgehoben, doch damit wurden die Dauerkonflikte um Latchinian nicht gelöst. Am Montag kam das endgültige Aus. dpa

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