Kultur : Rückblick: Klassik

Carsten Niemann

Zwei Dinge sind es, die den echten Freund der Friedenauer Kammerkonzerte ausmachen: Er begeistert sich für Musik auf historischen Instrumenten in intimem Rahmen und er ist in ständiger Sorge um den Fortbestand seiner geliebten Institution. Fünfzehn Jahre ist es her, dass das Freundespaar Bradford Tracey und Rolf Junghanns - Tastenvirtuosen und Sammler historischer Instrumenter - die Reihe in der Isoldestraße 9 begründete. Wie verbindend gemeinsam überwundene Fährnisse wirken, merkte man dem Grußwort von Karen Greve an. Die Vorsitzende des Freundeskreises, nach dem Rückzug staatlicher Förderer alleiniger Träger der Konzertreihe, erinnerte an den frühen Tod der beiden, ließ Sorgen über Haushaltssperren und Mietvertragskündigungen wiedererstehen. Beim Jubiläumskonzert standen aber die Instrumente wie immer genauso im Mittelpunkt wie die Interpreten: Muss man sich an gewöhnlichen Klavierabenden mit dem immer gleichen Klang des schwarzen Riesen begnügen, konnte man sich hier von Menno van Delft wieder in mehrere Klangwelten entführen lassen. Wie neu und wertvoll selbst Mozarts abgenudeltes erstes Menuett klingt, wenn man seine Vorhaltsnoten zart auf einem Clavichord erbeben lässt! Wie spannend, eine Pavane von Jan Pieterzoon Sweelinck zu verfolgen, wenn der just vollendete Virginal-Nachbau durch seinen warmen und zugleich delikat pointierten Ton überrascht. Johann Jacob Frobergers Trauermusik auf Kaiser Ferdinand IV. schließlich wurde zur tröstlichen Hommage an Tracey und Junghanns. Derweil wartete in der Ecke des Raumes bereits ein frisch gespendeter historischer Flügel darauf, dass ihn Virtuosen und Mäzene zu neuem Leben erwecken.

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