Kultur : Rückblick Klassik

Felix Losert

Im Foyer des Kammermusiksaals versammeln sich nach Midoris Konzert die Fans um die zierliche Geigerin. Sie erläutert im Publikumsgespräch, wie sie und ihr Klavierpartner Robert McDonald das Programm des Abends um die selten zu hörende zweite Violinsonate von Erwin Schulhoff herum angelegt haben. Ihre Stimme klingt kraftvoll und ihre Statements sprudeln auch nach belanglosen Fragen mit der größten Selbstverständlichkeit hervor. Das ist Midoris Violinspiel nicht unähnlich. Kein Wunder, dass das expressionistische Schulhoff-Stück aus den späten Zwanzigern ihr gefällt. Es verlangt geradezu nach ihrem voluminösen Sound, ihrer zuverlässigen Technik und ihrem kontrollierten Espressivo. Besonders in den Ecksätzen stürzt die Musik rastlos vorwärts und schleudert Midori durch alle Ausdrucks- und Klanggefilde. Lyrische Inseln muss sie bei Schulhoff rasch wieder verlassen. Dem düsteren langsamen Satz lassen die beiden Musiker eine distanzierte Monumentalität angedeihen und die "Burlesca" macht Midori mit aggressiven Staccati und metallischen Pizzicati zu einem Kabinettstückchen der Bizarrerien. Bereits die ruhige Welt in Mozarts Sonate in B-dur KV 378 zu Beginn war davon nicht unbehelligt geblieben. Midori bringt schon hier mit energischem forte und wisperndem piano etwas Bedrohliches ins Spiel. Nach den herben Pralinés einiger für Violine und Klavier bearbeiteten Préludes op.34 von Dimitrij Schostakovitsch steuern Midori und McDonald mit der Violinsonate op.18 von Richard Strauss schließlich auf ein glanzvolles und verdientes Happy End zu.

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