Kultur : Rückblick: Kunst: Bambi

Michaela Nolte

Alice im Wunderland, Bambi und Teddy - die Galerie K & S (Linienstraße 156/157, bis 30. Juni, Mi-Fr 15-19, Sa 12-17 Uhr) wird zur Zeit von Figuren aus der Welt der Kinderzimmer bevölkert. Doch wo Lewis Carrolls Blick durchs Schlüsselloch ein Königreich der Phantasie öffnete, findet die Alice des albanischen Video-Künstlers Gentian Shkurti nur noch stumme Kriegsschauplätze. Wunderland ist abgebrannt. Auf hyperrealistischen Ölbildern von Gabriele Basch mutieren Kasperles Großmutter und die lieben Kleinen zu Signets einer familiären Vorhölle. Gewalt von und an Kindern - öffentlich heiß debattiert, Quotenmagnet für Filme und Talkshows - fand in der bildenden Kunst bislang eher vereinzelt Resonanz. Miriam Bers hat nun neun Künstler versammelt, die sich dem Thema unter dem programmatischen Titel "Who killed Bambi?" nähern. Eine eindrucksvolle Opfer-Täter-Paraphrase zeigt der Schweizer Christoph Draeger. Zu den Schlüsselszenen aus "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Schneller als der Tod" laufen parallel die Nahaufnahmen der erwachsenen Protagonisten: Charles Bronson und Sharon Stone stehen einander gegenüber wie zum Duell - der Besucher als Sekundant dazwischen. Ebenso subtil changiert Andrea Schneiders Installation zwischen Poesie und Härte. Wer hat Bambi die Augen ausgestochen und sie so ordentlich im pastellfarbenen Zimmerchen drapiert? Angenehmerweise verzichtet die Ausstellung auf effekthaschende Statements oder Provokationen, die die mediale Realität zu überholen versuchen. Auch die Text-Sound-Collage von Brian Reffin Smith, die mit einem simulierten Interview des Rappers Eminem die Gegenwart einbezieht, gibt die Fragen nach Ursache und Wirkung mit britischem Humor und Hintersinn an den Betrachter zurück.

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