Kultur : Rückblick: Lesung

Doris Meierhenrich

Geht das? An den Kern einer Sache kommen durch permanentes Reden, womöglich durch Sich-und-andere-zum-Reden-zwingen? Der Schauspieler und Gelegenheitsschreiber Moc Gonthy meint: ja. "Seine eigenen Grenzen überspringt man nur, wenn man redet, vor allem von sich selbst", sagt er, drückt seine Zigarette aus und liest mit rauchiger Stimme weiter sein Stück "Nackter Fascho". Das ist denn auch nichts anderes als eben das: reden im Monolog. Über sich, die Faschos, Gott und die Welt. Und irgendwie merkt der Autor und Hauptdarsteller dabei selbst: das scheitert. Er sitzt im Café Jarman und nach der Lesung, das kündigt er an, soll noch genug Zeit sein, auch darüber zu sprechen. Das ist wichtig, denn das Reden in, zwischen und nach dem Text ist in diesem Stadium sein eigentlicher Gehalt. Ein Stück, gibt Gonthy zu, soll es denn auch erst noch werden, nach der Kaffeehaus-Lesetour, wenn er die Hörerkorrekturen eingearbeitet hat (heute in der Brücke 7, am 4.4. im WAATI, am 5.4. im Liberta, am 7.4. in der Kirche von Unten, jeweils um 20 Uhr). Im nächsten Jahr kommt es dann auf die Bühne. Vorerst aber ist der nackte Fascho noch ein Textmonster. Der Ich-Erzählstrom eines Mannes, der eines Nachts einen sturzbesoffenen Fascho im Park findet, ihn als denjenigen erkennt, der ihn vor kurzem zusammengeschlagen hat und den er jetzt - nackt - in eine Mülltonne sperrt, um ihn zur Rede zu stellen. Gonthys Erzählen in verdrehten Reimen, Slogans und Vielsprachenschnipseln ist Bewältigungsstrategie im Kreis. Sie kommt aus einem Kopf und führt in ihn zurück. Der Redner beschreibt auch das Täterpotential in sich. Grenzen bricht der "nackte Fascho" noch keine. Vielleicht können mitredende Zuhörer dem abhelfen?

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