Kultur : Rückblick: Pop: Psychopharmaka

Ulf Lippitz

Böse Zungen behaupten, die Hüte wären das Aufregendste an Jamiroquai. Wahr ist: Ohne die grotesken Kopfbedeckungen von Sänger Jay Kay wäre das Konzert in der Arena nur halb so lustig. Wild wackelt sein Kopfschmuck hin und her: ein Design-Unfall zwischen Häuptlingsschmuck, Pharaonenhaube und Jean-Pütz-Bastelspaß. Dazu passt das Bühnenbild: eine Maya-Pyramide, auf der sechs Musiker munter spielen und deren drei Etagen Jay Kay wie ein Derwisch abtanzt. Die Musik: Disco-Funk, mal mit einem sägenden Gitarrensolo, mal mit einem kullernden Leftfield-Beat. Die Party-Hymne "Cosmic Girl" widmet er allen Girls in der Halle. Alle Girls in der Halle quietschen. Dann folgen Feten-Knaller verschiedener Couleur: "Canned Heat" von Jamiroquai, der Wiener Walzer von Strauss, "Bad Girls" von Donna Summer. Jay steigt auf die riesigen Lautsprecher-Boxen, wiegt seine Hüften ekstatisch und erinnert an die Jünger eines obskuren Fruchtbarkeitskultes in den "Indiana Jones"-Filmen. Jays Musiker klatschen begeistert mit, ein Grinsen manifestiert sich dauerhaft in ihren Gesichtern. Ständig zum Mitmachen aufgefordert, fühlt man sich in einen Club-Urlaub oder das letzte Eros-Konzert versetzt. Gegen Ende überkommt Jay Kay purer Ernst. "No more fucking war!", schreit er. Dann sein Kommentar zur Berliner Mauer: "What a waste of money!". Für einen Moment wirkt er traurig. Zum Glück rollt schon wieder ein Disco-Beat über die Bühne. Alle tanzen und sind fröhlich.

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