Kultur : Rückblick: Sauna: HipHop

Nicholas Körber

Die erste Tour seit sieben Jahren, das erste Album seit neun Jahren und doch ist es, als seien die Stereo MCs niemals weg gewesen. Die legendäre Stimmung bei den Auftritten der Band hat sich ins neue Jahrtausend gerettet. Immer noch produziert Rob Birch mit seinen Kollegen den unwiderstehlichsten Groove seit es House und HipHop gibt. Bereits vor Beginn ihres Auftritts am Samstag im ausverkauften Maria am Ostbahnhof verwandelten die Fans die Halle in eine Partyzone, in der in jeder Ecke getanzt, gehüpft und geschwitzt wurde. Vor allem letzteres. In der Saunaatmosphäre wusch der Schweiß die Deos aus den Achseln der Männer und die Schminke aus den Gesichtern der Mädchen. Der von den Augen über die Wangen rinnende Lidschatten verwandelte die HipHop-Girlies in Alice Cooper-Imitate. Vielleicht, weil die Fans sich auch alleine verausgabten, nahm sich die Band die Freiheit heraus, ihren Anhang 1,5 Stunden warten zu lassen, um sich dann nach nur einer Stunde inklusive zweier Zugaben wieder in die Garderobe zurückzuziehen. In dieser kurzen Zeit lieferten sie aber einen perfekten Mix aus neuem Material und den alten Hits vom 92er Album "Connected" ab. Wie gut der Melody-HipHop von Rob Birch mit den drei an traditionelle Motown-Sounds erinnernde Background-Sängerinnen harmoniert, konnte man allerdings nur erahnen. Trotzdem konnte dem Sound die schlechte Akustik nicht allzu viel anhaben, denn der lebt vor allem von den rollenden Bässen. An denen wurde auch bei den Stücken der aktuellen CD "Deep Down and Dirty" nicht gespart. Das Publikum im Maria dankte es ihnen: Die Stereo MCs sind eine der wenigen Bands, die ihre Fans ohne harte Gitarren zum Pogotanzen bringen.

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