Kultur : Rückblick: Theater: Monsterunfug: "Die Schöne und das Monster"

Inka Lehmann

Zu einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, wünschte sich der missgestaltete Sohn des Königs eine Frau. Vielleicht hatte auch das Wünschen seinen Teil an der Erfüllung dieses Begehrens, sicher aber die prall gefüllte Brieftasche des Erzeugers und der Ehrgeiz zweier Schwestern, die um jeden Preis Prinzessin werden wollten. Auf Geld und Hochmut lässt sich im Märchen, wie man weiß, kein Glück gründen, und so verschlingt das Monster - wie alle guten Ungeheuer - auch diese Jungfrauen. Die dritte Schwester aber ist klug. Aus dem Untier wird ein schöner Märchenprinz, aus beiden ein Liebespaar. Das Theater RambaZamba verwischt die Grenzen zwischen Mensch und Tier. In "Die Schöne und das Monster" verwandeln sich die Darsteller in Wesen, die sprechende Tiere und Menschen in Tiergestalt sind (wieder am 19./20.4., 2./3. sowie 10./11.5. um 19 Uhr). In der Welt der Behinderten ist das Ungeheuer das menschenähnlichste Wesen von allen. So kommt es auch zu keiner Verwandlung des Prinzen, denn nicht er müsste sich wandeln, sondern die Gesellschaft, indem sie ihn anerkennt, wie er ist. Akteure und Zuschauer sind in einem Raum aus braunem Pappkarton eingeschlossen, ohne Fenster und Türen - Leben in der Gummizelle. Die Wände werden nach und nach umgeschmissen. Dahinter verbergen sich weitere Wände, ebenso hermetisch geschlossen, aber in leuchtenden Farben - Leben in einer schönen Gummizelle. In der Ästhetik eines lauten Volkstheater-Spektakels spielen die Schauspieler mit einem Ernst, der jenen vorbehalten ist, die Diskriminierung am eigenen Leib erfahren. Wunderbar die Eingangsszene bei Hof: Begleitet von Barockmusik entsteht eine Art Tanz, durch den sich die Protagonisten mit grotesk-schönen Bewegungen vorstellen. Diese Schauspieler, ahnt der Zuschauer, wissen, was es heißt, mit Bewegungen aufzufallen. Plötzlich wäre "Normalität" nur noch langweilig.

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