Kultur : Rückblick: Theater: Traumdeutung

Denise Dismer

Grafikdesigner, die den ganzen Tag nur vor dem Computer verbringen, haben komische Träume. Ariel D. zum Beispiel kommt auf einen Dorfplatz und liest ein Transparent: "Du sollst nur eine lieben und küsst du sechse oder sieben." Dann badet der 33-Jährige im Dorffluss mit Seekühen, doch küssen dürfen ihn die Tiere nicht, und wünschen sie es noch so sehr. Das DJ-Duo Heyo Hansen begleitet die Traumerzählungen mit Electro-Dub-Beats, die sich anfühlen, als wäre man wieder im Mutterleib, oder zumindest in einer traumaktiven Schlaf-Phase. Jahrelang hat sich Regisseurin Ingrid Hammer für "REM-Phase III" Träume erzählen lassen und gesammelt: komische und traurige, fantastische und reale, zurückblickende und zukunftsweisende. So präsentieren sieben Schauspieler die Traumbilder von sieben sehr unterschiedlichen Personen - einem Gasmonteur und einer Psychologiestudentin, einem Gymnasiallehrer und einer Steuerberaterin. Sie sitzen im Theater zum westlichen Stadthirschen zwischen den Zuschauern, klettern auf Stühle, hüpfen durch die Reihen und lassen Perlen aus ihren Mündern kullern (bis 24.2., 20 Uhr 30). Schließlich schmiegen sie sich in Löffelchenstellung aneinander, schlafen ein und wälzen sich synchron zur anderen Seite.

Erwachen vor dem Aufschlag

So verschieden die Charaktere auch sein mögen, ihre Träume sind es nicht. Es geht um Ängste: die des jungen Mädchens vor einer ungewollten Schwangerschaft, die der Steuerberaterin vor einem Leben, das nur aus Warten besteht, die des sächselnden Ossis, nicht genügend Aufmerksamkeit zu bekommen. Träume eignen sich zum Experimentieren: "Wie fühlt es sich wohl an, vom Balkon zu springen?", fragt sich ein Protagonist. Immer, wenn es beinahe soweit ist, es nachzuempfinden, wacht man wieder auf. Aber nicht früher als nötig bitte. Denn wir Zuschauer wollen diese brillant inszenierten Alb-, Wunsch- und Psychoträume so lange begleiten wie möglich.

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