Kultur : Rückblick: Weltmusik: Brückenschlag

Roman Rhode

Africando ist eine Erfolgsgeschichte. Afrikas größter Plattenproduzent Ibrahima Sylla und der malische Arrangeur Bocana Maiga taten sich vor acht Jahren zusammen, um eine Kreuzung zwischen Salsa und Mbalax zu versuchen. Damit ließen sie die musikalische Begegnung Kubas und Westafrikas wieder aufleben, die besonders in den 60er Jahren Furore gemacht hatte: Als kubanische Tanzorchester in Dakar und Bamako spielten, zeigten sich Gäste wie Gastgeber von der Verwandtschaft ihrer musikalischen Traditionen hellauf begeistert - immerhin waren es versklavte Mandingas gewesen, die ihre Perkussionsinstrumente auf die Zuckerinsel gebracht hatten. Africando, was im Spanischen "afrikanisierend" und in der Wolof-Sprache "vereintes Afrika" bedeutet, brachten zunächst die altgereiften Stimmen dreier Sänger aus dem Senegal mit New Yorker Salsa-Musikern zusammen und interpretierten die atmosphärischen Klassiker kubanischer Soneros. Schließlich gesellten sich noch westafrikanische Tenöre wie Salif Keita und Lokua Kanza hinzu: Im Handumdrehen belegte das Album "Betece" Platz eins der europäischen Weltmusikcharts. Dass die prominenten Gastmusiker unter der tropischen Hitzeglocke des Tempodrom-Zelts fehlen, leuchtet ein. Doch auch im geschmeidigen Gesang von Medoune Diallo, Gnonnas Pedro, Amadou Balake und Sekouba Diabaté verschmilzt kubanische Melancholie mit dem melodischen Flair des Schwarzen Kontinents. Und die weiße, aus Frankreich, Nikaragua und den Antillen zusammengewürfelte Band liefert einen blitzblanken Sound. Allerdings lassen die etwas eilig intonierten Hits den Wagemut der Aufbruchphase vermissen: Live sind Africando weniger aufregend als auf ihren Platten. Ist das der Preis des Erfolgs?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben