Kultur : Rückschau: Sonnenbraun: Hans-Joachim Staude in der Zitadelle Spandau (Ausstellung)

Katrin Bettina Müller

Das schönste Bild hängt gleich im Eingang. Es ist ein Lob des Müßiggangs und des Lebens unter südlicher Sonne. Kinder spielen und Gruppen junger Männer stehen träge beieinander "Auf der Piazza di Porta Romana", von Hans-Joachim Staude 1929, im Jahr seines Umzugs nach Florenz gemalt. Fast schattenlos ist der Platz, die Wärme von fensterlosen Mauern zurückgeworfen. In Staudes Stadtlandschaften verliert man sich. Sie beginnen in der Hitze zu flirren. Staude hat sich satt getrunken am südlichen Licht, über vierzig Jahre bis zu seinem Tod 1973, lebte er in Florenz. In Deutschland blieb seine Kunst zwischen Neuer Sachlichkeit und südlichem Impressionismus unbekannt. Gelegenheit zur Begegnung mit seinen Bildern aus Florenz, Rom und Venedig bietet jetzt eine Ausstellung in der Zitadelle Spandau bis 29.7; Di-Freitag 9 bis 17 Uhr, Sa / So 10 bis 17 Uhr, Katalog 35 Mark). In Haiti geboren, Hamburg zur Schule gegangen, in München studiert, zog es Staude nach Florenz, wo er sich mit Hans Purrmann anfreundete, der als Verwalter der Villa Romana seit 1935 mit vielen Emigranten verbunden war. Die Idylle Italien erhält in ihren Bildern etwas Surreales, dem Schrecken Entrücktes. Ähnlich irritierend ist jede Abwesenheit von Konflikt in Staudes Malerei. 1942 wurde er ins deutsche Heer in Italien eingezogen. Aber weder der Krieg noch der Faschismus finden ein Echo in seinen Bildern. In einem "Selbstbildnis mit Hut" von 1963 nimmt er noch einmal den veristischen Ton auf: Man sieht einen fast 60-jährigen Mann, der äußerst wach und mit Stolz an bürgerlichen Konventionen festhält. Man fragt sich, warum sich der Mensch im 20. Jahrhundert nur so furchtbar beeilt hat, die Welt zu verändern. Wäre er doch in der Sonne sitzen geblieben.

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